Das Licht im Kasten

(Straße? Stadt? Nicht mit mir!)

Elfriede Jelinek

Inhalt

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Ihr sei nach einer Komödie, soll Elfriede Jelinek verkündet haben, ehe sie mit der Arbeit an „Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)“ begann. Und in der Tat ist der Text voll komischer Pointen und doppelbödigem Sprachwitz – und zugleich (wie könnte es anders sein) immer ganz nah am Abgründigen und Existenziellen.

Bild- und sprachgewaltig knöpft sich Jelinek das Thema Mode vor, das erklärtermaßen zu ihren eigenen Leidenschaften zählt: „Von wenig Dingen verstehe ich so viel wie von Kleidern“, behauptete sie einmal von sich selbst. Ihr fulminanter Streifzug durch die Welt der Mode erzählt von schönen Oberflächen und hässlichen Kehrseiten, vom Verhüllen und Enthüllen, von Sein und Schein, Vanitas und Vogue, Armut und Armani; vom lukrativen Geschäft mit der Sehnsucht danach, zu werden wie die Vorbilder, die uns von Werbeflächen und aus Leuchtkästen entgegenstrahlen; von der Unerbittlichkeit des Älterwerdens und dem verzweifelten Anrennen gegen den Tod, der sich auch von ständigen Kostümwechseln nicht täuschen lässt: „Sie glauben, diese Jacke könnte Sie dem Abgrund des Nichtseins entreißen? … Träumen Sie weiter!“

Und nicht zuletzt geht es in „Das Licht im Kasten“ um die Kosten unserer Kaufentscheidungen und eine immer schnelllebigere Modeindustrie, um Fast Fashion, Umweltzerstörung und die wahren „Fashion Victims“: jene ausgebeuteten und vernichteten Menschenleben, die stillschweigend in Kauf genommen werden, damit „ein Produkt, das gesät, angebaut, geerntet, gekämmt, gesponnen, gestrickt, geschnitten und genäht, veredelt, bedruckt, etikettiert, verpackt und transportiert werden muss, ein paar Euro kosten kann“, wie die niederländische Trendforscherin Lidewij Edelkoort meint.

Jelineks Prosa ist sprach- und spieltriebgesteuert, deshalb wirkt sie lustvoll und verschreckend zugleich. Der Sprachklang ist oft ebenso wichtig wie Sinnzusammenhänge. Die Jelinek-Sätze bewegen sich in einer Art Stolpern und Gleiten voran, das die unaufhörlich auftretenden Widerstände betont, um sie gleichzeitig zu überwinden, wenn auch nur für den Moment. Jelinek benutzt dazu Montage- und Collagetechniken und arbeitet auf verschiedenen Bedeutungsebenen. Jelineks Stimmen bilden kein psychologisches Theater, sondern vielmehr ein Störgeräusch, einen widerstandsfähigen, sperrigen Dramentext, der für Rezipient*innen im ersten Erleben eher Wirrnis statt Wahrheit bedeutet – Störung als Form. Als Treibstoff dient am ehesten die Assoziation. Der Perspektivwechsel als Motor bestimmt den Rhythmus.

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