Der Gott des Gemetzels

Inhalt

Nicht die Faust, sondern das Wort sprechen lassen; bei Problemen aufeinander zugehen; Konsens- und vernunftorientiert handeln – das wäre der Bauplan für eine funktionierende, friedliche Gesellschaft, oder? Nur zu dumm, dass die eigenen Leidenschaften den guten Vorsätzen dabei häufig im Weg stehen ...



Der neunjährige Ferdinand hat beim Streit auf dem Spielplatz seinem Kameraden Bruno zwei Schneidezähne ausgeschlagen und nun treffen sich die Elternpaare, um in Ruhe zu besprechen, wie man pädagogisch richtig auf die Kinder einwirken kann. Doch schon bei diesem Thema wird schnell klar, dass man unterschiedliche Ansätze verfolgt. Und v. a. Véronique, die Mutter des Geschädigten, appelliert an eine Verbesserung der allgemeinen moralischen Lage, die z. B. Alain, der Vater des „Schlägers" und karrierebewusster Anwalt, ganz anders beurteilt. Stück für Stück führen die Meinungsverschiedenheiten zu waschechtem Streit, bis bald auch zwischen den Ehepartnern selbst der „Gott des Gemetzels" regiert.



Yasmina Reza, erfolgreichste zeitgenössische Theaterautorin Frankreichs, bringt in ihren Stücken die bürgerlichen Fassaden zum Einsturz und entlarvt das vermeintliche Gutmenschentum als allzumenschlichen, egoistischen Konkurrenzkampf. Und das auf derart bissige und pointierte Weise, dass Stücke wie Drei Mal Leben oder Kunst weltweit gespielt werden und Roman Polanski Gott des Gemetzels für Hollywood sogar verfilmte.

Pressestimmen

„Yasmina Rezas Erfolgsstück Der Gott des Gemetzels am Grazer Schauspielhaus zeigt barbarische Bürger, hoch dosierten Boulevard und saftiges Schauspielertheater. [...] Am Ende, das ist Rezas Supertrick, jubelt das Bürgertum darüber, dass man ihm in diesem Bestiarium der Kaschmirpullover und Seidenblusen den Spiegel vorhält – und dazu über die vier Schauspieler, die sich quasi ohne Regiebremse in herrlich saftigen Rollen suhlen dürfen: Stefan Suske als scheinbar weichherziger Unternehmer und letztlich aggressiver Nihilist, Olivia Grigolli als verspannt kultivierte Moralisitin, Sebastian Klein als dauertelefonierender Kaltschnauz, Verena Lercher als säuerliches Weibchen, dem sich vor Aufregung und Schnaps der Magen hebt. [...] Hier wird hoch dosierter Boulevard zum Publikumsrenner.“

(Ute Baumhackl, Kleine Zeitung, 7. Dezember 2013)



„Die Erfolgskomödie wird auch in Graz abräumen: Dank Tempo und Pointen der zweiten Hälfte. [...] Sebastian Klein ist der aalglatte Zyniker Alain, Anwalt mit seinem Fetisch Handy, das seine Frau langsam zum Wahnsinn treibt. Verena Lercher brilliert als Annette, als oberflächliche Anlageberaterin, deren seelisches Unbehagen sich über ganz konkrete Übelkeit Luft verschafft. Sie kotzt Véronique auf den raren Kokoschka Reprint (das warme Cola ist schuld), was diese aus der Fassung bringt. Der im Innern von Hass angenagte Gutmensch findet in Olivia Grigolli outrierende Verkörperung – im chaotischen Finale passt solches natürlich. Stefan Suske liefert als Michel eine feine Leistung zwischen Beschwichtigung und dumpfer Aggression ab. [...] Auch in Graz werden sich Tausende zurecht über ein Stück amüsieren, in dem die Empörung über einen ausgesetzten Hamster zur (Wort)-Keule greifen lässt, kurz, das die Überspanntheiten unserer Zeit wunderbar porträtiert.“

(Martin Gasser, Kronen Zeitung, Steirerkrone, 7. Dezember 2013)



„Anwalt Alain (Sebastian Klein) telefoniert ständig, um einen Skandal bei seinem wichtigsten Kunden, einer Pharma-Firma, abzuwenden, nachdem bei deren Blutdrucksenker schwere Nebenwirkungen aufgetreten sind. Alains Ehefrau Annette (köstlich: Verena Lercher), eine Vermögensberaterin, fühlt sich mit den familiären Verpflichtungen überfordert und von ihrem Karrieristen-Ehemann allein gelassen. Schriftstellerin Véronique (Olivia Grigolli), die ein Buch über die Massaker im Darfur-Konflikt schreibt – Brunos Mutter, eine Vertreterin des Gutmenschentums –, pocht auf zivilisierten Umgang, während sich ihr Mann, der Haushaltswarengroßhändler Michel (großartig: Stefan Suske) mit Alain verbündet, von John Wayne und Ivanhoe schwärmt und schließlich erklärt, dass die Ehe „eine der schlimmsten Prüfungen ist, die uns das Leben auferlegt“. Die Fronten zwischen den Paaren und den Geschlechtern wechseln, von Espresso und Clafoutis (eine Art Obstkuchen) geht man über zu Rum aus Guadeloupe – und hat alsbald die dünne Folie der Zivilisation abgestreift.“

(Barbara Petsch, Die Presse, 7. Dezember 2013)

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