Der große Diktator

Ein Theaterstück nach dem Film von Charlie Chaplin

Inhalt

1940 kam Charlie Chaplins erster Tonfilm in die Kinos. Gegen alle Widerstände realisiert, wurde „Der große Diktator“ zu einem seiner größten Erfolge. In der Doppelrolle als megalomaner Diktator und liebenswürdiger jüdischer Friseur, der aufgrund seiner physischen Ähnlichkeit mit dem „Führer“ verwechselt wird, entzauberte Chaplin die demagogischen Strategien Hitlers und gab dessen größenwahnsinnige Ambitionen der Lächerlichkeit preis.

„Hätte ich etwas von den Schrecken in den deutschen Konzentrationslagern gewusst“, wird Chaplin später in seiner Autobiografie einräumen, „ich hätte ‚Der große Diktator‘ nicht zustande bringen, hätte mich über den mörderischen Wahnsinn der Nazis nicht lustig machen können.“

REGIE Clara Weyde
BÜHNE Anna Bergemann
KOSTÜME Clemens Leander
MUSIK Thomas Leboeg
DRAMATURGIE Franziska Betz
MIT u. a. Julia Gräfner

PREMIERE Fr, 9. April 2021

Clara Weyde studierte zunächst Kommunikations- und Politikwissenschaft in München und Berlin und engagierte sich in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit in Guatemala, Indien, China und Deutschland, bevor sie an der Theaterakademie Hamburg Regie studierte. Sie inszenierte unter anderem am Staatsschauspiel Dresden, am Theater Bielefeld, am Staatstheater Braunschweig, am Jungen Schauspielhaus Hamburg, am Theater Bonn sowie auf Kampnagel in Hamburg. In der vergangenen Spielzeit inszenierte sie das im Rahmen der Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin uraufgeführte Stuck „ruhig Blut“ von Eleonore Khuen-Belasi.

Fünf Fragen zu großen Diktatoren im Film, auf der Bühne und im Leben an die Regisseurin Clara Weyde

Wenn Du die Möglichkeit hättest, ein Interview mit Charlie Chaplin zu führen, was würdest Du ihn fragen?

Ich würde ihn fragen, ob er Verständnis hat für die zwei Arbeitslosen, die 1978 seinen Sarg entführten, um Lösegeld zu erpressen.

Vielleicht hätte es ihn amüsiert. Seine Enkelin jedenfalls sagt, das sei ihr wie ein letzter Chaplin-Gag aus dem Grab heraus vorgekommen.

Charlie Chaplins „Großer Diktator“ hatte vor 80 Jahren Premiere, fünf Jahre vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Was interessiert Dich als Regisseurin heute an dem Stoff?

Für die Bühne interessiert mich die Auseinandersetzung mit Despot*innen und mit der Inszenierung von Macht vor dem Hintergrund der gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, insbesondere der Frage, wie in Österreich und Deutschland mit dem Erbe des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges umgegangen wird. Zudem ist es natürlich eine große Freude, mit einem Werk zu arbeiten, das in Spielweise, Form und Wirkungsästhetik derart reich, präzise und virtuos ist wie „Der große Diktator“.

Wie lässt sich der Stoff für die Bühne neu erfinden?

Den Film möglichst detailgetreu für die Bühne zu kopieren ergibt für mich keinen Sinn. Stattdessen muss es darum gehen, unsere heutige Situation und Perspektive auf den Film sowie die historische Realität zu bedenken und szenisch mitzuverhandeln. Chaplin kannte das ganze Ausmaß der Verbrechen der Nationalsozialisten nicht. Wir tun es – und das verpflichtet uns Theaterschaffende, die sich an Chaplins Meisterwerk heranwagen, jeglicher Form der Verharmlosung des Nationalsozialismus, seiner realen Akteur*innen sowie seiner geistigen Grundlagen mittels Satire und Spielfreude entgegenzutreten.

Ist es in Ordnung, über einen Massenmörder zu lachen?

Ja natürlich, auf jeden Fall! Heute sind wir da zwar an einem völlig anderen Punkt als Chaplin, als er den „Großen Diktator“ gedreht und damit filmisch etwas Neues erschaffen hat. Es gibt mittlerweile viele Werke, die sich humorvoll mit Hitler und dem Nationalsozialismus beschäftigen. Mir scheint dabei jedoch nach wie vor das Entscheidende, dass sich eine Satire nicht über die Opfer lustig macht. Sie muss in der Auswahl ihres „Feindes“ genau und in ihren Mitteln geschmackssicher sein. Dann ist sie das Werkzeug der Wahl, um sich mit Größenwahnsinnigen, Despot*innen, Manipulator*innen und eitlen Selbstdarsteller*innen auseinanderzusetzen und sie der Lächerlichkeit preiszugeben.

Populisten sind in Europa auf dem Vormarsch. Wie erlebst Du unser Verhältnis zur Inszenierung von Macht?

Ich persönlich habe den Eindruck, dass wir die Inszenierung von politischer Macht gegenwärtig stärker wahrnehmen als zum Beispiel noch vor 20 Jahren. Das wäre als Entwicklung im Sinne einer geschärften Wahrnehmung vielleicht gar nicht so schlecht, allerdings scheinen wir uns gleichzeitig zusehends daran zu gewöhnen. Wir rechnen quasi schon mit despotischem, irrationalem Verhalten von Staatsoberhäuptern, wir gewöhnen uns wieder an den Anblick von Militärparaden, Propagandaauftritten und popkulturartigem Personenkult. (Selbst-)Inszenierung wird als politisches Werkzeug leider von vielen nicht mehr so sehr problematisiert.

Das Interview wurde am 23. Mai 2020 per E-Mail geführt.

TERMINE
Fr, 09. Apr 19:30
PREMIERE
Di, 13. Apr 19:30
Sa, 17. Apr 19:30
Fr, 23. Apr 19:30
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