Die Götter weinen

Inhalt
Österreichische Erstaufführung

Am Konferenztisch eines weltweit agierenden Konzerns ereignet sich etwas Unerhörtes. Colm, der das Unternehmen über Jahrzehnte mit unbeugsamem Willen geleitet und seine Manager zu „Bestien“ geformt hat, verkündet von heute auf morgen seinen Rücktritt. Die Konzernleitung übergibt er überraschend an seine Mitarbeiter Catherine und Richard, während er seinen eigenen Sohn Jimmy übergeht. Colm will aus der bisherigen Firmenpolitik aussteigen und in dem mittelamerikanischen Entwicklungsland Belize ein gemeinnütziges Großprojekt starten.
Doch dazu kommt es nicht mehr. Die beiden unversehens an die Macht gelangten CEOs Catherine und Richard setzen sich über Colms Pläne hinweg und stürzen sich in einen erbarmungslosen Konkurrenzkampf. Mit ihren Machtspielen bringen sie das Unternehmen und schließlich die ganze Welt an den Rand des Abgrunds. Manager werden zu Warlords, die Zivilisation fällt dem Krieg zu Opfer. Jetzt muss Colm ums nackte Überleben kämpfen.

Der 1970 geborene britische Dramatiker Dennis Kelly, dessen Stücke zu den international erfolgreichsten zählen, beschreibt in seinem an Shakespeares König Lear angelehnten Drama die Wiederkehr des Archaischen in moderner Gestalt. Udo Samel, der in Graz bereits als König Lear und Mephisto zu sehen war, spielt die Hauptrolle in diesem Endspiel einer entfesselten Weltwirtschaft.
Pressestimmen
„Kellys Drama ist absolut aktuell, oft grausam und immer wieder zwingend […] Udo Samel ist ein beeindruckender Colm, der behutsam die langsame Geistesveränderung, den aufkeimenden Wahnsinn transparent macht. […] Ausgezeichnet auch Birgit Stöger (Versicherungskauffrau), die sich von der biederen Angestellten zur mordenden Irren entwickelt. Samouil Stoyanov spielt den kindisch-brutalen Sohn, der die Veränderung des Vaters nicht begreifen kann, überzeugend.“
(Karin Zehetleitner, APA, 26. September 2014)

„Bei Kelly wird Shakespeare in die Gegenwart versetzt. Lear heißt bei ihm Colm und leitet einen internationalen Konzern, den er in 30 Jahren kompromisslos aufgebaut hat. Er wird von Udo Samel berührend gegeben. Das ist besonders reizvoll, weil der Burgschauspieler 2009 in Graz tatsächlich Shakespeares Lear war. Auch als Colm kommt er gleich zur Sache, er redet nicht nur wie ein nüchterner Manager des 21.Jahrhunderts, sondern lässt auffällig das Pathos eines alten Königs mitschwingen – passend, weil Kelly mit dieser Überlagerung im Text spielt. […] Katharina Klar spielt diese Barbara mit Ernst, fürsorglich, zart, aber auch aggressiv, als sie erfährt, wen sie da in dieser zerstörten Welt versorgt.“
(Norbert Mayer, Die Presse, 27. September 2014)

„Ein paar Dutzend Sessel sind die einzigen Requisiten, die in choreographischen Intermezzi arrangiert, aufgetürmt werden. Der Konferenztisch wächst aus dem Boden, im Hintergrund flimmert eine videoanimierte Weltkarte (Bühne: Raimund Orfeo Voigt).“
(Reinhard Kriechbaum, www.drehpunktkultur.at, 25. September 2014)

„Colm gibt seine Macht an seine beiden Stellvertreter Catherine und Richard ab […] Was dann folgt, ist ein Zweikampf um die Vorherrschaft im Konzern (lustvoll ausgespielt von Verena Lercher und Marco Albrecht). Udo Samel […] glänzt in der Rolle des knallharten Checkers. […] Katharina Klar findet als Barbara, die widerwillig nicht zu hassen vermag, zu wunderbar nuanciertem Spiel.“
(Ute Baumhackel, Kleine Zeitung Nachtkritik, 25. September)

„Sie beginnt sehr stark und sie endet sehr stark, Anna Badoras Inszenierung von Dennis Kellys Die Götter weinen im Grazer Schauspielhaus. [...] Colm (Udo Samel) betritt einen modernen Konferenzraum und verteilt sein Wirtschaftsreich an die Manager. Damit beginnt unweigerlich ein versteckter Grabenkrieg im Konzernpalast, den Anna Badora als großartige Kampfchoreografie inszeniert [...] Das erzeugt eine testosterongeladene Atmosphäre von Machtgier und Gewaltbereitschaft, denn alle wollen nach ganz oben.“
(Lothar Lohs, Bühne, November 2014)
ORT & DAUER
HAUS EINS
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Medien