Macbeth

nach William Shakespeare von Heiner Müller

Inhalt

Wir freuen uns auf die neue, ohne Zweifel außergewöhnliche Spielzeit mit Ihnen! Da uns Ihre Sicherheit am Herzen liegt, gelten bis auf Widerruf folgenden Maßnahmen, um Sie und uns zu schützen – wir arbeiten und produzieren künstlerisch anregend, aufregend und natürlich verantwortungsvoll: HIER finden Sie den Besucher*innenleitfaden.

 

Er ist einer der berühmtesten Könige der Dramengeschichte, der vom treuen Lehnsmann und tapferen Feldherrn zum erbarmungslosen Schlächter und zur Geißel Schottlands wird. Doch was treibt den edlen Macbeth auf seinen blutigen Pfad zu unstillbarer Machtgier und zu Königsmord? Ist es sein eigener Ehrgeiz? Sind es die Ambitionen seiner Frau, einer schillernden Figur, die als Mittäterin schließlich dem Wahnsinn verfällt? Oder sind es die Prophezeiungen der drei Schicksalsschwestern, die Macbeth gekonnt mithilfe der Wahrheit täuschen, ihm schlaflose Nächte und Wahnvorstellungen bescheren?

In jedem Fall bestätigt die tragische Geschichte von Aufstieg und Fall des Tyrannen Sigmund Freuds ernüchternde Einsicht, dass unter dem dünnen Lack von Zivilisation, der die Menschen umhüllt, eine Rotte von Mördern steckt. Der fatale Glaube an das Recht des Stärkeren, das zerstörerische Potenzial des Aberglaubens, die Verführbarkeit durch die Macht und die dahinterliegenden menschlichen Abgründe beider Geschlechter – Themen, die in diesem zentralen Werk Shakespeares bis heute faszinieren.

REGIE Stephan Rottkamp
BÜHNE Robert Schweer
KOSTÜME Esther Geremus
DRAMATURGIE Jan Stephan Schmieding
THEATERPÄDAGOGIK Marcus Harms
MIT Henriette Blumenau, Oliver Chomik, Maximiliane Haß, Florian Köhler, Frieder Langenberger, Alexej Lochmann, Sarah Sophia Meyer, Raphael Muff

ANGEBOTE SCHAUSPIELHAUS AKTIV

Altersempfehlung: 16+

Mitreden
Theaterdialog 17.03.2021

Mitlernen
Vorbereitender Workshop (bei oranger Ampel online)
Nachbereitung
Textimpulse
Inhaltliches Warm-up
Leseprobe

Mitschauen
Schauklub 17.03.2021

Mitspielen
Spielsamstag 13.03.2021

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Ein Gespräch mit Sarah Sophia Meyer und Florian Köhler über den Abbruch der Proben zu „Macbeth“ und anderes

Die Proben zu „Macbeth“ sind am Freitag, dem 13. März unterbrochen wurden. Wie erinnert Ihr Euch daran?

Florian Köhler Das war ein seltsamer Moment, obwohl ja schon tagelang im Raum stand, dass da irgendwas kommt. Am Morgen des 13. März wurde für 13 Uhr eine Betriebsversammlung im Zuschauerraum angesetzt. Wir hatten an dem Tag eine Bühnenprobe und haben den ganzen Vormittag Fahrten mit der Drehscheibe geprobt. Kurz vor 13 Uhr fanden sich langsam die Mitarbeiter*innen zur Versammlung ein und plötzlich standen da irre viele Leute auf der Seitenbühne, die zum Vorderhaus wollten, und schauten uns zu, der Zuschauerraum wurde immer voller und dann quollen auch noch Personen aus den Logen raus! Und wir haben immer weitergedreht und diese unfertige Szene geprobt, als ob die Katastrophe nicht stattfindet.

Sarah Sophia Meyer Wir haben uns ein bisschen so gefühlt wie die Kapelle auf der Titanic: Wir spielen, bis das Schiff untergeht – bis zum bitteren Ende, mit Blut und Licht und Sound.

Seitdem sind gut zwei Monate vergangen, in denen das Schauspielhaus geschlossen, aber nicht untätig war. Wie habt Ihr diese Zeit verbracht?

Sarah Sophia Meyer Ich habe meine handwerklichen Talente wiederentdeckt: hämmern, bohren, schleifen, auftrennen, zusammennähen, ausmisten, umgraben, neu anstreichen. Also eigentlich das, was ich sonst mit Texten und Kolleg*innen mache, bloß mit anderen Materialien.

Wie war das mit den geschlossenen Baumärkten? Hattest Du alles zuhause?

Sarah Sophia Meyer In den ersten Wochen habe ich mir auf Spaziergängen alles zusammengesucht, was ich brauchte, und als die Baumärkte wieder aufmachten, hatte ich eigentlich alles zusammen. Aber ich habe natürlich auch gemerkt, wie froh ich über meine privilegierte Situation bin: keine finanziellen Nöte, eine große, helle Wohnung, Essen im Kühlschrank. Am anstrengendsten fand ich die Unsicherheit, nie zu wissen, wie es weitergeht, und diese Unsicherheit war mit verschiedenen Emotionen eingefärbt.

Florian Köhler Die ersten zehn Tage waren merkwürdig bei mir, weil ich ja einige Wochen mit dieser Rolle quasi unter Volldampf mit Tempo 150 unterwegs war und dann plötzlich stillstand. Ich konnte die ersten Tage gar nicht glauben, dass es jetzt erst mal nicht weitergeht. Ich war ja mehrere Wochen lang wirklich auf so gut wie jeder Probe anwesend und zwischen und nach den Proben habe ich Text gelernt. Dieser harte Rhythmus, der mich getrieben hat, der war plötzlich komplett weg. Aber dann hat sich eine große Gelassenheit eingestellt. Wir hatten ja auch ein bisschen zu tun mit den Filmchen fürs Internet, damit konnte man sich auch eine Zeit lang beschäftigen. Und meine Kochkünste habe ich verbessert! Und ich lese viel. Diese Situation hat auch ihr Gutes. Ich bin ja jetzt auch gerade Lehrer meiner Kinder in einer relativ freien Schule, der den Unterricht komplett in seine Freizeit integriert hat.

Welche Note gibst Du Dir als Lehrer?

Florian Köhler In unserer Schulform gibt es keine Noten!

Sarah, hast Du die Lady Macbeth auch unter Volldampf verlassen?

Sarah Sophia Meyer Bei mir war das wie abgeschnitten. Ich bin nachhause gegangen und die Figur geriet völlig aus meinem Blickfeld. Es ging wohl um andere Dinge. Einige Wochen später habe ich mich damit befasst, was da eigentlich passiert ist und festgestellt: Ich habe nichts davon, wenn ich mich allein in meinem resonanzlosen Raum mit meinen Gedanken dazu beschäftige. Theater geht nur gemeinsam. Und das ist genau das, was mir jetzt gerade so fehlt. Man kann sich zwar zum Spazierengehen treffen oder telefonieren und seine Gedanken austauschen, aber proben geht eben nicht. Ich brauche dafür Menschen.

Könnt Ihr aus dieser Zeit etwas mitnehmen für Eure Figuren oder das Stück?

Florian Köhler Ich glaube, für die Figur kann ich aus dieser Zeit nichts mitnehmen, außer unterbewusst vielleicht, denn „Macbeth“ ist ein ganz eigener Kosmos. Was ich aber sicher mitnehme, als Schauspieler, ist diese große Besonderheit unseres Berufs wieder zu spüren: dass man sich auch körperlich sehr nah ist. Momentan ist das ja auch privat schon die Ausnahme. Inhaltlich habe ich eine Parallele zum Stück darin gesehen, wie schnell nach den ersten Panikmomenten und den apokalyptischen Bildern z. B. aus Italien das Streben nach Macht in der Politik wieder spürbar war. Als die Gefahr halbwegs gebannt war, ging es gleich wieder um Macht und Einfluss. Für mich ist das Stück ein Zoom in den menschlichen Abgrund hinein. Und gleichzeitig zeigt es, was für groteske Bluten so ein absurder Machthunger treiben kann. Daran arbeite ich.

Worum geht’s für Euch in dem Stück?

(Lange Pause.)

Florian Köhler Das ist so eine Prüfungsfrage, oder?

Sarah Sophia Meyer Welches Stück?

(Lachen)

Sarah Sophia Meyer Warte mal, ich habe das Textbuch hier. (Lachen) Grob gesagt geht es darum, dass man bereit ist über Leichen zu gehen, um etwas zu erreichen. Ich habe mir auch überlegt, welche Parallelen ich in der gegenwärtigen Situation zu „Macbeth“ sehe. Erst fanden ja diese Hamsterkäufe statt, aus dem Instinkt heraus, selbst zu überleben. Danach war dieses starke Gemeinschaftsgefühl spürbar, das ich sehr besonders fand. Ich habe mich in dem Moment mit den Leuten hier in dieser Stadt, in die ich ja vor fünf Jahren von außen gekommen bin, sehr verbunden gefühlt. Auf einmal waren wir alle am gleichen Punkt. Aber dann hat sich das doch wieder verflüchtigt: Manche ziehen sich zurück, andere glauben Verschwörungstheorien und wieder andere befolgen akribisch alle Maßnahmen der Regierung. Das große Gemeinschaftsgefühl war schnell am Ende. Und was passiert mit dem Menschen, wenn er sich selbst so wichtig nimmt und ins Zentrum von allem Geschehen stellt? Gibt es vielleicht noch etwas anderes als durchzudrehen und zu vereinsamen? Es geht halt nicht allein. Und genau das spüre ich jetzt: Ich brauche andere. Nicht nur um zu arbeiten, sondern auch um zu sein.

Wie habt Ihr die Arbeit am Text erlebt?

Florian Köhler Der Text in der Bearbeitung von Heiner Müller ist für mich die größte Herausforderung: zum Lernen, zum Denken, zum Sprechen!

Sarah Sophia Meyer Ja, der Text ist lyrisch verdichtet, riesige Bilder in knappen Worten, und das verstehbar und erlebbar zu machen ist Arbeit.

Welchen Satz aus dem Stück könnte man sich merken?

Florian Köhler Ich habe viele Qualsätze, aber es gibt schöne, positive Sätze, z. B.: „Komme, was kommen mag. Die Zeit mit Stunden quert den rauhesten Tag.“ Eine positive Durchhalteparole! Den ersten Satz von Macbeth finde ich auch schön: „So schön und hässlich sah ich keinen Tag.“ Mittlerweile schwimmen die Delfine wieder in Venedigs Kanälen, aber daneben gibt es massenhaft Tote.

Sarah Sophia Meyer Ja, bei mir läuft momentan auch einiges über Verdrängung, denn wenn ich mir das alles vor Augen halte, dann würde ich durchdrehen: „Bieg nicht deine Kraft unter gewohntes Denken“, empfiehlt Lady Macbeth. Und: „Denk dich nicht zu tief in deine Schwäche.“ Das kann man sich auch immer wieder mal sagen. Oder: „Dir fehlt, was unser Leben aus dem Tod hält: Schlaf.“ Das ist ein guter Rat, gerade jetzt, wo ich auch Entspannung und Verlangsamung erfahre, die gut tut. Wenn es nicht mehr weitergeht: erst mal drüber schlafen!

Gibt es irgendwas, das Ihr jenen, die das jetzt lesen, sagen wollt?

Sarah Sophia Meyer Bleibt uns treu, wir brauchen Euch, wie Ihr uns hoffentlich auch. Es gibt kein Theater ohne Publikum.

Florian Köhler Ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen. Und zwar in echt!

Das Gespräch wurde am 14. Mai 2020 als Videotelefonat geführt.

TERMINE
Fr, 05. Feb 19:30
PREMIERE
Do, 11. Feb 19:30
Di, 23. Feb 19:30
Mi, 03. Mär 19:30
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05. Februar 2021, HAUS EINS
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