Reineke Fuchs

Ein Epos in zwölf Gesängen

von Johann Wolfgang von Goethe 

Inhalt

Mit 26 Jahren kam Goethe an den Weimarer Hof, arbeitete sich binnen kurzem zum Geheimen Legationsrat und Minister hinauf, wurde geadelt und war mit 33 Jahren der wichtigste Mann nach dem Herzog. Eine gewisse Kenntnis dessen, wie man Karriere macht und welche Eigenschaften man als Politiker braucht, wird er also besessen haben, als er 1793 seinen „Reineke Fuchs“ schrieb.

Dieser ist der Inbegriff des sprichwörtlich schlauen Fuchses: Zu Beginn steht er am Hofe des Löwen-Königs Nobel als Angeklagter vor Gericht. Trotz wiederholter Vorladungen und Verurteilungen schafft er es immer wieder, seinen Hals buchstäblich aus der Schlinge zu ziehen – und am Ende zum Berater des Königs berufen zu werden.

Dass diese „unheilige Weltbibel“ trotzdem keine moralinsaure Abrechnung mit den Abgründen und Ungerechtigkeiten des politischen Parketts wurde, sondern ein höchst unterhaltsames und vergnügliches Werk, liegt vor allem an der literarischen Form: der Tierfabel.

REGIE Mina Salehpour
BÜHNE Andrea Wagner
KOSTÜME Maria Anderski
MUSIK Sandro Tajouri
DRAMATURGIE Karla Mäder
MIT Lisa Birke Balzer, Henriette Blumenau, Oliver Chomik, Beatrix Doderer, Beatrice Frey, Florian Köhler, Alexej Lochmann, Mathias Lodd, Raphael Muff, Franz Solar, Rudi Widerhofer

PREMIERE Fr, 2. Oktober 2020

Mina Salehpour stellt sich mit dieser Arbeit am Schauspielhaus Graz vor. Die Regisseurin wurde in Teheran / Iran geboren, arbeitet seit 2011 als freie Regisseurin und inszeniert u. a. am Schauspiel Hannover, an der Schaubühne Berlin, am Volkstheater München, am Badischen Staatstheater Karlsruhe und am Theater Bonn. Die Fachzeitschrift Theater heute nominierte sie 2012 als beste Nachwuchskünstlerin. Bis zum Ende der Spielzeit 19.20 ist Mina Salehpour Hausregisseurin am Staatsschauspiel Dresden.

Mitte April dämmert uns im Schauspielhaus, dass wir ein neues Stück suchen müssen. Wir werden eine kürzere Probenzeit haben, vielleicht weniger oder schlimmstenfalls gar keine Werkstattkapazitäten. Aber wo anfangen mit der Suche? Welche Stoffe, welche Geschichten wird das Publikum im Herbst sehen wollen?

„Ich habe das Theater nicht gewählt, weil es Antworten gibt, sondern weil es ein Ort war, der anders war als alle Orte, die ich bis dahin gekannt habe: ein Ort der Wunder, mit eigenen Regeln. Und das vermisse ich gerade täglich. Ich habe Lust Geschichten zu hören und zu erzählen. Und ich habe Lust auf Lebenslust: saftiges, einladendes Erzählen und Menschen, die vereint einer Geschichte lauschen, fern von der Realität der Tageszeitungsheadlines“, schreibt die Regisseurin Mina Salehpour.

Eigentlich wollten wir mit ihr zum Spielzeitauftakt ein besonderes Projekt realisieren: netflixartiges Binge Watching im Theater mit einer sechsteiligen Theaterserie über Stadtentwicklung. Vielleicht holen wir das in einer anderen Spielzeit nach – die politische Dimension des Konzepts einer Smart City wird auch in Graz sicher noch länger Thema sein.

Mina Salehpour liebt Romanbearbeitungen und so wurden im April und Mai zahlreiche dicke und dünne Bücher gewälzt, vor allem auf der Suche nach Schelmen und Narren vom Schlage eines Till Eulenspiegel oder Don Quixote. Sind das vielleicht Vorbilder, die uns lehren können, wie man heiter und optimistisch bleibt und durchkommt in schwierigen Zeiten? Schließlich landeten wir bei Goethes „Reineke Fuchs“, auch so ein unverwüstlicher Überlebenskünstler, allerdings einer mit Fell.

„Lies mal den letzten Satz!“, schreibt Mina Salehpour. „Durch Goethes Sprache, aber auch dadurch, dass uns die Tiere so viele Darstellungsmöglichkeiten bieten, gibt es ein enormes Potenzial für Witz. Das ist eine schöne Einladung ans Publikum – und auch an die Spieler*innen: Tiere, die Versmaß sprechen, hallo?! Fabeln sind zeitlos, denn die Tiere sind immer Archetypen und repräsentieren Charakterzüge, die ewig sind“, meint Mina Salehpour.

Allen voran Reineke, der schlaue Fuchs; durchaus ein widersprüchlicher Charakter: einerseits redegewandt, mutig, intelligent, treusorgend für seine vielköpfige Familie; andererseits ein Lügner, Dieb, Vergewaltiger und Mörder. Auch in diesem tierischen Protagonisten zeigt sich die Dualität von Gut und Böse, die Goethe sein Leben lang beschäftigt hat.

„Gut gegen Böse – das ist immer spannend“, findet die Regisseurin und meint zum Schluss: „‚Reineke Fuchs‘ ist ein Thema unserer Zeit! Etwas langlebiger als Corona.“

TERMINE
Fr, 02. Okt 19:30
PREMIERE
Do, 08. Okt 19:30
Mi, 14. Okt 19:30
So, 18. Okt 15:00
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HAUS EINS
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
PREMIERE
02. Oktober 2020, HAUS EINS
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Medien