08.05.2019
Pressegespräche und -konferenzen
Spielplanpressekonferenz 2019.2020 am Schauspielhaus Graz

Am Mittwoch, den 8. Mai, präsentierten die Geschäftsführende Intendantin des Schauspielhaus Graz, Iris Laufenberg, und ihr Team den Spielplan der Saison 2019.2020.

Zahlreiche Ur- und Erstaufführungen, darunter Auftragswerke und site-specific-Projekte sowie das jährlich stattfindende Dramatiker*innenfestival, das inzwischen international Anerkennung erfährt, verdeutlichen den Fokus des Schauspielhaus Graz unter der Intendanz von Iris Laufenberg auf zeitgenössische Dramatik. In der kommenden Saison erwarten das Publikum insgesamt 19 Premieren, darunter 6 Uraufführungen, 3 Österreichische Erstaufführungen und 2 Stückentwicklungen für die Bürger*innenbühne sowie im Juni 2020 die fünfte Ausgabe des internationalen Dramatiker|innenfestival Graz, gepaart mit einem Festival für neue Stücke aus Europa für junges Publikum (Young Europe) und der Konferenz des Theaternetzwerkes European Theatre Convention, zu der Vertreter*innen von 40 Mitgliedstheatern erwartet werden.      
Ende Juni 2020 findet darüber hinaus das Finale des internationalen Musiktheaterwettbewerbs für Regie und Bühnengestaltung Ring Award statt.

Darüber hinaus wurden internationale Projekte und Kooperationen intensiviert, sei es mit der zweiteiligen Produktion zwischen Graz und Chișinău, „Rest of Europe“ von Nicoleta Esinencu, oder dem Rechercheprojekt „Die Revolution frisst ihre Kinder!“ in Burkina Faso, mit dem das Schauspielhaus Graz erneut durch Gastspieleinladungen u. a. zu den Autorentheatertagen in Berlin und beim africologneFESTIVAL in Köln internationale Beachtung findet.

Nach vier Spielzeiten, die uns immer weiter hinaus in die Welt getragen haben und in denen wir uns auch aus der „Außenperspektive“ mit Themen wie dem Euro-Zentrismus und Kolonialismus auseinandersetzen konnten, wird ein Schwerpunkt der kommenden Saison auf unserer direkten Umgebung liegen. In der Spielzeit 19.20 kreisen wir um den Begriff „Heimat“ und fragen uns, mit welchen Inhalten sich dieser Signifikant füllen lässt.

Spielzeiteröffnung

Am Samstag, den 14.09.2019 startet das Schauspielhaus Graz mit einem Eröffnungsfest: Nachdem dem Publikum ein unterhaltsamer Einblick in die kommende Saison gewährt wird, findet die bereits traditionelle Party auf der Bühne von HAUS EINS statt, mit The Base, den SOULbRÜDERN, u. a.

In der gefeierten Trilogie „Vernon Subutex“ entwickelt die französische Schriftstellerin Virginie Despentes ausgehend von der titelgebenden Figur, dem ehemaligen Besitzer eines Plattenladens, ein breit ausgemaltes, tiefschürfendes Gesellschaftspanorama, das von den kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen 30 Jahre erzählt. Regisseur Alexander Eisenach („Frequenzen“ nach dem Roman von Clemens J. Setz und „Der Zauberberg“ nach dem Roman von Thomas Mann) wird eine Romanadaption am 26.09.2019 als Eröffnungsproduktion in HAUS EINS auf die Bühne bringen.

Am Tag darauf, den 27.09.2019, findet die Uraufführung von „Die Leiden der jungen Wärter“ statt: In der 12. derartigen Kooperation mit dem Institut für Schauspiel der Kunstuniversität Graz wird das Regie- und Autor*innen-Duo Nele Stuhler und Jan Koslowski „eine goethesche Schmonzette“ für HAUS ZWEI erarbeiten.

„Heimat, was soll das sein?“

Der Regisseur Franz-Xaver Mayr (dessen Produktion „Menschen mit Problemen, Teile I bis III“ von Sibylle Berg nach wie vor in HAUS ZWEI zu sehen ist) wird mehr als 30 Jahre nach der Uraufführung Thomas Bernhards „Heldenplatz“ auf die Bühne bringen. Die Produktion, bei der eine junge Generation von Theatermachern mit der ihr eigenen Ästhetik auf dieses legendäre Stück blickt, ist ab 10.01.2020 in HAUS EINS zu sehen.

Als Österreichische Erstaufführung kommt „dritte republik (eine vermessung). teil drei der kronlandsaga“ von Thomas Köck ebenfalls in HAUS EINS, am 17.04.2020, zur Premiere; ein formstarker, poetischer, geschichtsmetaphorischer Text, der Nationalitäten und Grenzen kritisch befragt und in der Habsburgermonarchie ein Vorgängermodell für Europa imaginiert. Anita Vulesica, die zum ersten Mal in Graz arbeitet, wird das Stück des aktuell sehr gefragten österreichischen Autors inszenieren.

Nikolaus Habjan wird zusammen mit seinem Mentor und Kollegen Neville Tranter dem Kultfilm „The Sound of Music“, der das Österreich-Bild von zahlreichen Menschen v. a. im Ausland prägte, eine ironische, auf die Gegenwart gemünzte Reverenz erweisen: „The Hills are Alive“ gelangt am 15.11.2019 in HAUS EINS zur Uraufführung.

Peter Turrinis rührende „Weihnachtsgeschichte“ über zwei einsame Menschen, die sich am Heiligen Abend im Personalraum eines großen Warenhauses treffen und sich gegenseitig Aufmerksamkeit und Zuwendung schenken, wird von Next Liberty-Intendant Michael Schilhan inszeniert. „Josef und Maria“ spielen Franz Solar und Margarethe Tiesel. (Premiere am 06.12.2019, HAUS EINS).

Daniel Foerster, der mit „The Fountainhead (Die Spitze der Fontäne)“ nach dem Roman von Ayn Rand die Spielzeit 18.19 eröffnete, wird „jedermann (stirbt)“ von Ferdinand Schmalz zur Premiere bringen. Der Autor, mit dem das Schauspielhaus eine intensive Arbeitsbeziehung verbindet, hat auf der Vorlage des berühmten Klassikers von Hofmannsthal einen Text über die Gier der zeitgenössischen Finanzmacht geschrieben. (Premiere 14.11.2019, HAUS ZWEI)

Zeitgenössische Dramatik

Das Schauspielhaus Graz ist, neben dem Theater Neumarkt Zürich, das neue Partnertheater der Autorentheatertage 2019 des Deutschen Theaters Berlin. Die Uraufführung des Stückes „ruhig Blut“ der jungen, in Wien lebenden Südtirolerin Eleonore Khuen-Belasi wird, nach der Berlin-Premiere am 8. Juni im Rahmen der Langen Nacht der Autorinnen, ab 04.10.2019 in HAUS ZWEI zu sehen sein. Der politisch anspielungsreiche, verspielt-philosophische Text, bei dem drei Frauen auf dem Asphalt sitzen, der aufbricht und ein Eigenleben entwickelt, wird von Clara Weyde inszeniert, die sich mit dieser Arbeit dem Grazer Publikum vorstellt.

Kurz darauf, am 09.10.2019, findet die Uraufführung einer weiteren Gemeinschaftsproduktion statt: „Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs“ von Vladimir Sorokin wird von Regisseurin Blanka Rádóczy als Romanadaption zuerst im Museum für Geschichte im Rahmen des Festivals steirischer herbst zur Premiere gebracht, bevor die Inszenierung ins Repertoire von HAUS DREI des Schauspielhauses übernommen wird. In der Satire, in der Bücher nicht mehr gelesen, sondern verbrannt werden, um darauf erlesene Speisen zu grillen, spielt Mathias Lodd.

Am 05.12.2019 folgt die Premiere der Koproduktion mit den Rabtaldirndln in HAUS ZWEI: Gemeinsam mit Cora Frost und Julia Gräfner (die eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet – „Ich würde alles für die Liebe tun, ich mach’s aber nicht“ und „Showgirls“) wird „Ich, Tatortkommissarinnen“ Uraufführung feiern.

Ab 29.11.2019 steht „Bookpink“ (plattdeutsch für „Buchfink“) der norddeutschen Philologin Caren Jeß in HAUS DREI auf dem Programm. In sieben sprachlich präzisen, dabei höchst humorvollen Miniaturen werden darin menschliche Abgründe, soziale Konstellationen und aktuelle Debatten im Vogelkleid verhandelt. Die Uraufführung inszeniert Anja Michaela Wohlfahrt, die bereits eine Bürger*innenbühnenproduktion realisierte.

Die Österreichische Erstaufführung von „Frau Ada denkt Unerhörtes“ gelangt im Mai 2020 zur Premiere. Lily Sykes („Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing und „Romeo und Julia“ von William Shakespeare in HAUS EINS) inszeniert den Zweiakter der Schweizer Autorin Martina Clavadetscher. Diese verwebt darin die Alpensage um das „Sennentuntschi“, einer zum Leben erwachten Puppe mit monströsen Zügen, mit der Geschichte der Tochter Lord Byrons, der Mathematikerin Ada Lovelace, die im 19. Jahrhundert lebte und als erste Programmiererin bezeichnet wird.

Nach u. a. „The Who and the What“ von Ayad Akhtar in HAUS ZWEI und „Götterspeise“ von Noah Haidle in HAUS EINS inszeniert Jan Stephan Schmieding „Schwarze Milch“. Die bittere Komödie von Wassilij Sigarew über ein trickreiches Gaunerpärchen, das einer ahnungslosen Dorfbevölkerung in der russischen Provinz nutzlose Toaster andreht, wirft im Mai 2020 in HAUS ZWEI als Österreichische Erstaufführung einen satirischen Blick auf die auch bei uns sinnlosen Verlockungen des Konsums.

Weiters freuen wir uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Sandy Lopičić, der die raffiniert konstruierte Familiengeschichte „Vögel“ des im Libanon geborenen, frankokanadischen Autors Wajdi Mouawad inszeniert, ein zwischen Berlin, Palästina und Israel spielendes Enthüllungsdrama vor der Folie des Nahostkonflikts. (Premiere 31.01.2019, HAUS EINS)

Bürger*innenbühne Graz

Mit der Saison 2018.2019 hat das Schauspielhaus Graz die Bürger*innenbühne etabliert: In der gemeinsamen Auseinandersetzung werden Geschichten von Bürger*innen szenisch umgesetzt. In den drei diesjährigen Produktionen – die sich thematisch mit der Zukunft befass(t)en – standen insgesamt 56 Bürger*innen auf der Bühne. Alle Stücke sind als kleines Festival am Ende der Spielzeit zu sehen, vom 29. Juni bis 5. Juli.

Nach diesem erfolgreichen Start werden in der Spielzeit 19.20 zwei Produktionen mit Expert*innen des Alltags aus Graz und der Steiermark erarbeitet:

Für „Bist Du GAK oder Sturm?“, eine Fußball-Bürger*innenbühne über Liebe, Stolz und Fan-Sein (Premiere am 28.02.2020 in HAUS EINS), sucht Regisseur Ed. Hauswirth Menschen aller Altersgruppen und Geschlechter, die wissen, was wahre Leidenschaft ist.

Für „Zuhause ist ein Bauchgefühl“, eine Bürger*innenbühne zum Thema Kochen und Zugehörigkeit (Premiere im April 2020 in HAUS ZWEI), sucht die afrodeutsche Regisseurin Simone Dede Ayivi Familienrezepte, süße Geheimnisse und Geschichten von hier lebenden Menschen, deren Herkunft sich auf mehr als zwei Länder, Kontinente oder Kulturen erstreckt.

Klassiker

Einen modernen Klassiker bringt die Regisseurin Claudia Bossard, deren Arbeiten „lupus in fabula“ von Henriette Dushe und „Erinnya“ von Clemens J. Setz (beide in HAUS ZWEI) mit Gastspieleinladungen zu den Autorentheatertagen nach Berlin und zum Heidelberger Stückemarkt ausgezeichnet wurden, auf die Bühne: Sie wird Friedrich Dürrenmatts Komödie „Die Physiker“ inszenieren. (Premiere 18.10.2019, HAUS EINS)

Nach Shakespeares „Sturm“, Gogols „Revisor“ und Schillers „Maria Stuart“ nimmt sich Regisseur Stephan Rottkamp erneut eines Klassikers an: Er inszeniert „Macbeth“ von William Shakespeare. (Premiere 27.03.2020, HAUS EINS)

Auch Markus Bothe, („Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand auf den Kasematten, „Tartuffe“ von Molière, „Lulu – Eine Mörderballade“ sowie „Struwwelpeter“ in HAUS EINS mit Musik von den Tiger Lillies) wird sich mit einem klassischen Stoff beschäftigen. Er wird eine eigene Bearbeitung von Victor Hugos Drama inszenieren und das Publikum dafür auf der Bühne von HAUS EINS Platz nehmen lassen: „Der König amüsiert sich – Ein Rigoletto-Melodram“ ab 15.05.2020 in HAUS EINS.

Wiederaufnahmen

Wiederaufgenommen werden in der Saison 2019.2020 u. a. „Böhm“ von Paulus Hochgatterer in der Regie von und mit Nikolaus Habjan, „Einen Jux will er sich machen“ von Johann Nestroy mit Couplets von Stefanie Sargnagel, inszeniert von Dominique Schnizer, sowie das Film- und Theaterprojekt von Jan-Christoph Gockel & Ensemble „Die Revolution frisst ihre Kinder!“ in HAUS EINS. Die Produktionen „The Who and The What“ von Ayad Akhtar, inszeniert von Jan Stephan Schmieding, „Menschen mit Problemen, Teile I bis III“ von Sibylle Berg in der Regie von Franz-Xaver Mayr und „Pfeil der Zeit“ nach dem Roman von Martin Amis in Regie von Blanka Rádóczy werden in HAUS ZWEI wiederaufgenommen. „schlammland gewalt“ von Ferdinand Schmalz in der Regie von Christina Tscharyiski, Duncan Macmillans „All das Schöne“, inszeniert von Cara-Sophia Pirnat, „Welche Droge passt zu mir?“ von Kai Hensel in der Regie von Elena Bakirova in HAUS DREI sowie nach mehr als 5o Vorstellungen in den Kirchen von Graz und der Steiermark bereits in der vierten Spielzeit Lot Vekemans Monolog „Judas“ in der Regie von Markus Kubesch.

Neu im Ensemble

Oliver Chomik, in Landau in der Pfalz geboren, absolvierte seine Schauspielausbildung bis 2008 an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig. Von 2008 bis 2012 war er festes Ensemblemitglied am Theater Bonn und war auch fürs Fernsehen tätig. Von 2014 bis 2016 war Oliver Chomik am Theater Magdeburg engagiert. Er war in den vergangenen Spielzeiten als Gast bereits in Inszenierungen am Schauspielhaus Graz zu sehen.

Beatrix Doderer, in Darmstadt geboren, schloss 1985 die Schauspielschule in München ab. Es folgten diverse Engagements in Deutschland, zuletzt war sie einige Jahre am Residenztheater München und arbeitete frei an verschiedenen Theatern in Deutschland und Österreich. Beatrix Doderer hat sich auch als Kabarettistin einen Namen gemacht und war u. a. Mitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft.

Robert Finster, in Bruck an der Mur geboren, wuchs in Graz auf und war Mitglied der Kabarettgruppe Andritzer Treffpünkte. Er studierte am Wiener Max Reinhardt Seminar, wo er sein Schauspielstudium 2011 abschloss. Er ist sowohl als Theaterschauspieler sowie für TV tätig, bald wird er in der Titelrolle „Sigmund Freud“ in der ersten Serien-Zusammenarbeit von Netflix mit dem ORF zu sehen.

Frieder Langenberger, in Stuttgart geboren, studierte ab 2015 Schauspiel an der Kunstuniversität Graz. In der laufenden Saison ist er im Rahmen eines Studiojahres am Schauspiel Dortmund. Mit der kommenden Saison kehrt er nach Graz zurück. Im Schauspielhaus Graz war er bereits als Boris in „Kinder der Sonne – The Sun Is A Dead Star“ in der Regie von Pedro Martins Beja in HAUS ZWEI zu sehen.

Katrija Lehmann, in Berlin geboren, machte erste Schauspielerfahrungen am Jungen Deutschen Theater Berlin. Sie studierte an der Zürcher Hochschule der Künste Schauspiel, spielte während ihres Studiums an diversen Theatern in der Schweiz und ist aktuell im Studiojahr am Schauspielhaus Zürich engagiert.

Lukas Walcher wurde in Schladming geboren. Bereits vor seinem Studium hat er mehrmals mit dem Regisseur Ernst Binder am dramagraz, u. a. in der Produktion „Gier“ von Sarah Kane (2015), zusammengearbeitet. Seit 2015 absolviert er ein Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin und spielt derzeit dort u. a. an der Berliner Schaubühne im „Guten Menschen von Sezuan“ von Brecht.

 

Leitung Presse: Mag. Isabella Cseri
E isabella.cseri@schauspielhaus-graz.com |
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