14.03.2025 , Pressemitteilung

»Hölle auf Erden | Eine Komödie am Vorabend des nächsten Weltkriegs«, Premiere am 14.03.2025

Es ist der siebenhundertsechzigmillionsteachthundertneununddreißigtausendste Jahrestag der Erschaffung der Welt, doch im Himmel herrscht nicht gerade Feierlaune. Gott will von den Menschen nichts mehr wissen, seit auf der Erde Unfrieden herrscht und nur noch »von der Ehre, vom Ruhm und von der Nation« gebrüllt wird. Da erreicht Petrus und seine Engel eine Zeitungsannonce, in der für die Welt – am besten ab sofort – ein neuer lieber Gott gesucht wird. Weise soll er sein, gerecht, allwissend und allmächtig und mit souveränem Auftreten (»aber bitte kein Führertyp!«). Deshalb werden der als Gott verkleidete Petrus und zwei seiner Engel auf die Erde entsandt.

Doch Petrus und seine Engel entsprechen nicht den allgemeinen Abbildungen Heiliger auf Erden, so werden sie ausstaffiert, um auf Erden als »echt« durchzugehen. Der Mensch bei Lazar erkennt die Dinge nur in der Bestätigung der je eigenen Perspektive.
Die Dramatikerin entwirft hier ein für die Gattung der Komödie typisches Verkleidungsspiel, das sich in seiner Absurdität kaum höher schrauben lässt. Diese Schlüsselszene sowie ein Personenverzeichnis von ursprünglich 37 Rollen nimmt die Inszenierung vom Katrin Plötner und ihrem künstlerischen Team zum Anlass, in einem bunten Bilderreigen lustvoll das Theater hinsichtlich seiner Mittel sowie das Spiel im Spiel auszuloten.

In kurzen Zwischenszenen – Markenzeichen für die Lazar’sche Dramaturgie – kommen weniger Figuren als Typen zu Wort. Diese sind schon in Lazars Figurenverzeichnis entindividualisiert, wenn sie als Dreier-Gruppe auftauchen und »Professor:innen A, B, C«, »1., 2., 3. Detektiv:in« oder »1., 2., 3. Diplomatenscheitel« heißen. Sie fungieren als Stellvertreter:innen aus Wissenschaft, Polizei und Politik und umso absurder ist es, dass sie jegliche Verantwortung an der Weltlage weit von sich weisen.

»Vor Ausbruch des nächsten Weltkriegs« – so betitelt Maria Lazar die Zeit des Bühnengeschehens. Vor der Folie eines drohenden Krieges also feilschen Himmel, Hölle und Menschen um Strategien und Mittel, diesen noch abzuwenden. Der Teufel formuliert es einmal so: »Die wahre Demokratie verhandelt mit jedem, mit Gott und mit dem Teufel.« Eine an den Grundfesten der demokratischen Ordnung rüttelnde Ansicht, die in ihrer Aktualität rein gar nichts eingebüßt hat.

Nach »Der Nebel von Dybern« vergangene Spielzeit verstetigen wir mit »Die Hölle auf Erden« unsere Auseinandersetzung mit Maria Lazar. In unserer Spielplanlinie der Kanonerweiterung zeigen wir ein weiteres bis heute vergessenes Stück der erfolgreich wiederentdeckten österreichischen Dramatikerin. Lazar bezeichnet ihr Stück als Komödie – bei ihrem bösem Blick auf die Welt bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

Dass sie dieses Theaterstück in den 1930er Jahren verfasste, macht sie zu einer überaus hellsichtigen und kritischen Beobachterin ihrer Zeit. Dass sie es mit den Mitteln der Satire schrieb, die auch heute präzise ins Mark der aktuellen Politlage zielt, macht Maria Lazar zu einer immer noch zu wenig bekannten brillanten Dramatikerin.

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