13.12.2025 , Pressemitteilung
Pressemitteilung

»Der jüngste Tag«, Premiere, am 13.12.2025

Mit »Der jüngste Tag« zeigt das Schauspielhaus Graz pünktlich zum 125. Geburtstag des Dichters eines der seltener gespielten Dramen Ödön von Horváths – ein Schauspiel, das in seiner psychologischen Schärfe und gesellschaftlichen Relevanz weit über seine Entstehungszeit hinausweist. Regie führt David Bösch, Schauspieldirektor am Landestheater Linz, der bereits mit der erfolgreichen Produktion »Schwabgasse 94« am Schauspielhaus Graz überzeugte. Mit »Der jüngste Tag« kehrt er nun an das Haus zurück.

Im Zentrum des Stücks steht der Bahnhofsvorsteher Hudetz, dessen pflichtbewusstes Leben durch einen einzigen Moment der Unachtsamkeit aus den Fugen gerät: Abgelenkt durch die Wirtstochter Anna verpasst er ein entscheidendes Signal, zwei Züge kollidieren, achtzehn Menschen sterben. Was zunächst einfach als tragisches Unglück erscheint, wird im Ort rasch zum Kristallisationspunkt von Gerüchten, Misstrauen und moralischer Verunsicherung.

Horváth legt in diesem Drama die Mechanismen einer Gemeinschaft frei, die in ihrer Verunsicherung einfache Erklärungen sucht. Die Dorfbewohner:innen schwanken zwischen dem Bedürfnis nach rasch wieder hergestellter Ordnung und dem Versuch, die eigene Verantwortung wegzuschieben. Während öffentlich nach einem Schuldigen gesucht wird, entfaltet sich hinter den Fassaden der Figuren ein feines psychologisches Drama: Hudetz verliert zunehmend den Halt, Anna kämpft mit schlechtem Gewissen, Angst und Selbstschutz. Das Schweigen, das beide verbindet, wird zur eigentlichen Last – ein unausgesprochener Pakt, der ihre Isolation verstärkt.

So entwirft Horváth das Bild einer Gesellschaft, die von Enge, Spannungen und Unsicherheit geprägt ist. Menschen urteilen vorschnell, klammern sich an Gerüchte und fordern moralische Klarheit ein, ohne die eigenen Motive zu hinterfragen. »Der jüngste Tag« zeigt, wie persönliche und kollektive Schuld ineinandergreifen, wenn Verantwortung verdrängt wird – und wie sich gesellschaftliche Stimmungen in Richtung Gewaltbereitschaft verdichten.

Böschs Inszenierung vertieft diese Dimensionen und legt den Fokus auf die menschlichen Verwerfungen, die sich aus einem alltäglichen Fehler ergeben. Härte und Zartheit, Humor und Verlorenheit – all jene Gegensätze, die Horváths Figuren auszeichnen – werden sichtbar und zeigen „ganz normale“ Menschen, die zwischen ihrem Gewissen, ihren Ängsten und ihren Hoffnungen gefangen sind. Das Stück blickt weniger auf den Unfall selbst als auf die innere Erschütterung der Beteiligten: das Erwachen eines Gewissens, das keine Ruhe mehr findet, und den Versuch, Verantwortung zu umgehen, bis kein Weg mehr an ihr vorbeiführt.

Neben dem starken Ensemble freut sich das Schauspielhaus Graz auf hochkarätige Gäste: Kaspar Simonischek, war schon erfolgreich in »Der Zerrissene« am Schauspielhaus Graz zu sehen, Marlene Hauser glänzte im Schauraum in »Rabatt« und »Die Party«. Ihr Debut in Graz gibt Miriam Maertens, seit vielen Jahren sowohl in Film- und Fernsehproduktionen als auch auf bedeutenden Theaterbühnen im deutschsprachigen Raum präsent.

Dauer: 1:30h

Besetzung
Thomas Hudetz: Thomas Kramer
Anna: Luisa Schwab
Josefine: Anna Rausch
Alfons: Tim Breyvogel
Leni: Marlene Hauser
Frau Leimgruber / Frau Inspektor: Miriam Maertens
Vertreter / Heizer: Kaspar Simonischek
Ferdinand: Oliver Chomik
Wirt: Franz Solar

Die Fotos sind bei Angabe des Copyrights (c) Lex Karelly in der jeweiligen Bildunterschrift zur honorarfreien Verwendung in Zusammenhang mit der Berichterstattung freigegeben.

Nächste Termine

Di, 26.05.2026
19:30–21:00
Schauspielhaus
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit
Schauspiel von Ödön von Horváth