Sa, 31.01.2026
19:30-21:00 Schauspielhaus
Der jüngste Tag
Schauspiel von Ödön von Horváth
Der Bahnstationsvorstand Hudetz ist für seine Zuverlässigkeit bekannt, doch dann verpasst er den entscheidenden Moment für ein Signal, da Wirtstochter Anna ihn ablenkt. Zwei Züge kollidieren, achtzehn Fahrgäste sterben. Anna und Hudetz versuchen, durch falsche Aussagen jeden Verdacht von sich abzuwenden. Im Ort wird das Zugunglück zum Ausgangspunkt unterschiedlichster Verdächtigungen und Beschuldigungen.
Horváth, dessen Geburtstag sich 2026 zum 125. Mal jährt, schrieb in einer Zeit des erstarkenden Faschismus über »kleine Leute« in existenziell bedrohlicher Lage. Sein eindringliches Schauspiel zeichnet eine Gesellschaft, die von Enge, Boshaftigkeit und Vorbehalten geprägt ist. Wirtschaftliche und politische Instabilität verstärken gegenseitiges Misstrauen und bereiten den Boden für Gerüchte und Aufhetzung. In diesem Klima von Verunsicherung breitet sich das Netz schuldhafter Verknüpfungen immer weiter aus.
Regisseur David Bösch spürt der Frage nach der Verantwortung des Einzelnen innerhalb der Gesellschaft nach und bringt Horváths Auseinandersetzung mit Schuld und Gewissen in feinpsychologischer Figurenzeichnung auf die Bühne. Die fast krimiartige Atmosphäre offenbart Dynamiken der Meinungsbildung und reflektiert die Gefahr, die sowohl für Individuen als auch für ganze Gesellschaften in blindem und blindwütigem Reagieren steckt.
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause
Premiere: 13.12.2025
Besetzung
Team
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Regie:
David Bösch
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Bühne:
Patrick Bannwart
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Kostüme:
Moana Stemberger
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Musik:
Daniel Feik
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Dramaturgie:
Male Günther
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Licht:
Anton Oswald
Trailer
Pressestimmen
»David Bösch lässt, ohne dem spezifischen Horváth’schen Sprachduktus Gewalt anzutun, all diese Leute weitgehend ungekünstelt reden. Das rückt sie uns sehr nahe – alles Menschen, die einem jederzeit auf der Straße begegnen könnten.« nachtkritik.de, Reinhard Kriechbaum, 14. Dezember 2025
»Ein stark auftretendes Ensemble, ein düster-elegantes Setting.« KUMA, Sigrun Karre, 15. Dezember 2025
»Bösch verwandelt „Der jüngste Tag“ in ein Nachtstück, fängt die triste Atmosphäre des 2000-Seelen-Kaffs gut ein: ein marodes Wirtshaus, ein zerlemperter Bahnhof und dazwischen dürres Gras und die blanke Niedertracht.« Kleine Zeitung, Martin Gasser, 15. Dezember 2025
»Dem Horváth entkommt man sowieso nicht. Bösch ist ihm verfallen, das spürt man.« Die Presse, Thomas Kramar, 19. Dezember 2025
»Das gesamte Ensemble agiert mit hoher Konzentration und körperlich differenzierter Darstellung – eine schauspielerische Leistung, die nicht genug gewürdigt werden kann. Immer wieder erreicht das Spiel komische Momente, die fast grotesk wirken – eine tragikomische Zuspitzung, die der Inszenierung eine leichtfüßige Ironie verleiht, wo bleierne Dramatik drohen könnte.« KUMA, Sigrun Karre, 15. Dezember 2025