Fr, 10.04.2026
20:00-21:10 Schauraum
Uraufführung
tender
In Kooperation mit der KUG
von Hannah K Bründl
engl. tender, adj. liebevoll, zärtlich, zart [fleisch], empfindsam, schmerzempfindlich [wunde], mimosenhaft.
»Entweder man gewinnt, oder man ist ein Verlierer«, sagt der Vater zu seiner Tochter. Eine junge Frau wird trainiert von ihrem Vater – ihrem Gymnastiktrainer, ihrem Fußballcoach, ihrem Tennistrainer. Sie lernt, welche die guten Sportarten sind und welche die schlechten. Wie man den Vater stolz macht, statt ihn zu enttäuschen. Die Tochter ist da, um bewertet zu werden, um hergezeigt zu werden, um nicht ernst genommen zu werden, um alles richtig zu machen. Sie muss sich nur richtig anstrengen, um Anerkennung und Liebe zu bekommen. Und er will ja nur das Beste für sie. Sie sucht nach eigenen Worten, versucht Frau zu werden und verpuppt sich in einem Kokon aus Sprache, um sich selbst zu empowern.
Die junge österreichische Dramatikerin Hannah K Bründl, die für ihren Text mit dem Dramatiker:innenstipendium ausgezeichnet wurde, schreibt mit »tender« ein sportlich-rhythmisches Theaterpoem über die Gewalt, der weibliche* Körper ausgesetzt sind, und gibt ihrer Protagonistin nicht nur eine Sprache, sondern gleich einen ganzen Chor mit dazu.
Beatrice Benedek hat bereits das Bürger:innenbühnen-Stück »Die ganze Welt ist Bühne« inszeniert und setzt mit dieser Uraufführung ihre Arbeit in Graz fort. Mit Schauspielstudierenden des 3. Jahrgangs der Kunstuniversität Graz findet sie für Bründls poetischen Text einen performativen Zugang und befragt den Leistungsdruck, dem die junge Generation während des Einstiegs ins Berufsleben ausgesetzt ist.
Entstanden im Rahmen des Drama Lab der WIENER WORTSTAETTEN.
Dauer: 1 Stunde 10 Minuten, keine Pause
Premiere: 13.03.2026
© Lex Karelly Besetzung
Team
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Regie:
Beatrice Benedek
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Bühne & Kostüme:
Philipp Glanzner
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Musik:
Cristina-Alexandra Negoiță
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Choreographie:
Lavinia Urcan
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Dramaturgie:
Male Günther
Trailer
Pressestimmen
»Beatrice Benedek löst die Anordnung der Autorin (»Dieses Stück hat keine Figuren, es hat Metaphern. Es zeigt keine individuelle Beziehung, sondern eine gesellschaftliche Verfasstheit«) ein, indem sie den – im Übrigen gewandten und lyrisch-bildhaften – Text auf zehn Schauspielhaus-Studierende der Kunstuniversität Graz verteilt. Das Konzept geht auf, auch Dank der flotten Choreografie von Lavinia Urcan.« Andreas Stangl, Kleine Zeitung, 15. März 2026
»In »tender« erzählt die österreichische Dramatikerin Hannah K Bründl von einer Vater-Tochter-Beziehung am Rande des Missbrauchs: Er, eine schreckliche und in ihrer Sprechweise oft sehr österreichische Vaterfigur, die den Körper der Tochter kommentiert und kontrolliert. Sie, das Mädchen, das sich kaum wehrt und gefallen will, bis es daran zerbricht. Die Familie als Keimzelle des Patriarchats. […] Es sind hochaktuelle Themen, die Bründl in »tender« verarbeitet – patriarchale Strukturen, Grenzen in den Familien, den Druck, dem Frauenköper ausgesetzt sind.« Hannah Michaeler, Kronenzeitung, 15. März 2026