»Erinnerung eines Mädchens«, Premiere am 12.02.026
nach dem Buch von Annie Ernaux
Gesellschaftliche Zwänge, weibliche Rollenbilder und das Streben nach Freiheit: In ihrem Buch »Erinnerung eines Mädchens« blickt Nobelpreisträgerin Annie Ernaux auf ihr 17-jähriges Ich zurück und begibt sich in jenen Sommer, in dem sie als Betreuerin in einem Ferienlager arbeitet. Sie will dazugehören und Dinge erleben, die scheinbar alle in ihrem Alter erleben. Erst in der Retrospektive nimmt sie die Nacht mit einem Betreuer als sexuelle Gewalterfahrung wahr und an.
Das Schauspielhaus Graz bringt »Erinnerung eines Mädchens« auf die Bühne des Schauraums – mit der Besonderheit, dass die Idee zu dem Projekt von zwei Ensemblemitgliedern stammt. Bei der Lektüre Annie Ernaux‘ hat Schauspielerin Anna Klimovitskaya »einige Erfahrungen, die Annie Ernaux in ihrer Jugend gemacht hat, wiedererkannt und war erschrocken, wie wenig sich gesellschaftlich getan hat«.
Als Regisseur konnte Anna Klimovitskaya ihren Kollegen Dominik Puhl gewinnen. Ausgangspunkt für die Konzeption ist die bei Ernaux so typische Form der Splittung in die reflektierende Frau von heute und das erlebende Mädchen von damals. Diese Konstellation bietet sich für eine Bühneninszenierung geradezu an.
Gemeinsam mit Bühnenbildnerin und Lichtdesignerin Mara Madeleine Pieler schuf Dominik Puhl einen Raum, der zugleich Erinnerungsraum und Podium ist. In seiner Inszenierung ging es ihm darum, »mit wenigen Mitteln starke Momente entwickeln zu können, die poetisch zart und gleichzeitig brutal sind«.
Durch das parallele Erzählen über unterschiedliche Zeiten und Generationen hinweg wird die Geschichte durchlässig für die Erfahrung vieler (vor allem) Mädchen und Frauen an der Schwelle zum Erwachsenenwerden.
Ein Abend, der eine Atmosphäre der Offenheit schafft und das Potenzial hat, Trost, aber auch Kraft zu spenden. »Ich habe mich durch die Lektüre nicht mehr allein gefühlt und hoffe, dass es auch den Zuschauer:innen im Schauraum so gehen wird«, sagt Anna Klimovitskaya. Auf Grundlage des Textes von Annie Ernaux, die sich als »Ethnologin ihrer selbst« bezeichnet hat, und der Erweiterung durch eigene Erfahrungen lassen die beiden Schauspieler:innen Anna Klimovitskaya und Dominik Puhl in ihrer ersten gemeinsamen Bühneninszenierung einen Raum für die Auseinandersetzung mit sexueller Sozialisation, Scham und Selbstermächtigung entstehen.
Die Premiere ist am Donnerstag, dem 12. Februar 2026, um 20 Uhr im Schauraum.
Dauer: 1 Stunde 25 Minuten, keine Pause
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