Fr, 27.02.2026
20:00-21:25 Schauraum
Erinnerung eines Mädchens
nach dem Buch von Annie Ernaux
Hinweis: Der Theaterabend verwendet stellenweise eine sehr direkte und explizite Sprache, insbesondere in Bezug auf Sexualität und sexuelle Gewalt, und thematisiert Essstörungen sowie psychische Belastungen.
Das titelgebende »Mädchen« Annie ist 17 Jahre alt. Erfüllt von Bildern und Vorstellungen, denen sie glaubt entsprechen zu müssen, verbringt sie einen Sommer als Betreuerin im Ferienlager. Sie will dazugehören, sich verlieben, selbst erleben, was alle in ihrem Alter so selbstverständlich zu tun scheinen. Ihre erste sexuelle Begegnung mit einem älteren Kollegen verläuft gewaltsam, doch Annie zwingt sich, die Nacht zu einem leidenschaftlichen Erlebnis umzudeuten.
Jahrzehnte später kehrt Annie Ernaux schreibend zu ihrem jungen Ich zurück. In eindringlicher Sprache beschreibt sie die Zerrissenheit zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und dem Wunsch nach Akzeptanz. Erst aus dieser zeitlichen Distanz werden die Ereignisse im Ferienlager als sexuelle Gewalterfahrung lesbar und das Zusammenspiel von Macht, Ausgrenzung und Scham erkennbar.
Die präzisen Beobachtungen der Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux machen die komplexe Verbindung von Erinnerung und Identität deutlich und eröffnen einen Raum für die Auseinandersetzung mit sexueller Sozialisation und Selbstermächtigung. Dieser Perspektive folgen Anna Klimovitskaya und Dominik Puhl in ihrem ersten gemeinsamen Projekt als Schauspielerin und Regisseur. In einer Monologfassung erweitern sie den Text durch eigene Erfahrungen des Erwachsenwerdens und machen seine Übertragbarkeit auf allgemeine weibliche Lebensrealitäten sichtbar.
Dauer: 1 Stunde 25 Minuten, keine Pause
Premiere: 12.02.2026
© Lex Karelly Besetzung
Team
- Konzeption: Anna Klimovitskaya, Dominik Puhl
- Regie & Kostüme: Dominik Puhl
-
Bühne & Licht:
Mara-Madeleine Pieler
-
Musik:
Lukas Lechner-Heschl
-
Dramaturgie:
Male Günther
Pressestimmen
»Anna Klimovitskaya verwebt ihre eigenen Erfahrungen mit jenen von Ernaux: Sie wechselt geschickt zwischen der Rolle der Erzählerin und jener des Mädchens. Bühnenbildnerin Mara Madeleine Pieler schafft dafür einen zeitlosen Erinnerungsraum mit Dia-Projektoren und langen Stoffbahnen. […] Ja, die Gefahr, ins Schwärmen zu geraten, ist da. Klimovitskaya und Puhl schaffen es aber, die Ergriffenheit nicht überhandnehmen zu lassen. […] Ein ehrliches Denkmal für Annie Ernaux.« krone.at, Hannah Michaeler, 13. Februar 2026
»Es wirkt, als ob zwei Frauen in unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten nahezu das Gleiche erlebt, gefühlt und erfahren haben. Die beiden verbindet auch die Ehrlichkeit und der Mut, sich diesen eigenen Erinnerungen zu stellen, und damit das zunächst unbewusste Leid für sich und damit auch für andere sichtbar zu machen. […] Das fantastische Spiel von Anna Klimovitskaya, die viel von sich „hergibt“. […] Jeder Moment, den Anna Klimovitskaya auf der Bühne verkörpert, seien es die Erfahrungen von Annie Ernaux oder ihre eigenen, wirkt authentisch. […] Die große Ehrlichkeit und Schonungslosigkeit, mit der Anna Klimovitskaya an das Thema herangeht, ist zutiefst beeindruckend und spiegelt sich auch in ihrem Spiel wider. […] Danke dafür und danke für diese 90 Minuten, erfüllt von tiefer Traurigkeit, und wahnsinnig großer Ehrlichkeit, die einen Funken Hoffnung in sich trägt – einer Hoffnung auf eine Änderung des patriarchalen Rollenverständnisses, zu der dieser Abend einen leisen, aber sehr eindringlichen Beitrag leistet.« kuma.at, Robert Gössl, 13. Februar 2026
»Höchst differenziert führt Anna Klimovitskaya den Romantext und neue Perspektiven zueinander – mal eindeutig voneinander abgesetzt, dann wieder wie selbstverständlich ineinanderfließend.« drehpunktkultur.at, Reinhard Kriechbaum, 13. Februar 2026