»Grand Hotel Steirerhof: ein Abend für Verlierer*«, Premiere am 16.01.2026
Mit der Uraufführung von »Grand Hotel Steirerhof: ein Abend für Verlierer*« zeigt Rebekka David ihre dritte Regiearbeit am Schauspielhaus Graz. Nach »Leonce und Lena-nowhere to run« und »Immer noch hier: Von Ängsten und Alten und alten Ängsten« setzt sie ihre künstlerische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Spannungszuständen fort.
Ausgangspunkt für den Theaterabend ist ein Ort im Zentrum von Graz, der einst eine große Bedeutung hatte und eine spürbare Lücke hinterlassen hat. Das ehemalige Grand Hotel Steirerhof ist heute verschwunden. Der Abriss im Jahr 1989 und die nachfolgende Nutzung durch ein Einkaufszentrum markieren einen endgültigen Bruch in der Geschichte dieses Ortes. Hier setzt der Theaterabend ein. Der Abriss steht kurz bevor. Eine lange Geschichte geht zu Ende, doch Spuren des Verlusts haften diesem Ort weiterhin an.
Das Hotel Steirerhof ist Ort der Bühnenhandlung, wird jedoch nicht konkret und historisch rekonstruiert, sondern zum Ausgangspunkt des Theaterabends. Verlust wird als zentrales Lebensgefühl der Gegenwart auf die Bühne gebracht. Dabei stellt der Abend die Frage, wie wir als Gesellschaft mit dem Verlieren umgehen, insbesondere in einer Zeit, in der der Glaube daran brüchig wird, dass Fortschritt zwangsläufig Verbesserung bedeutet.
Als Ort des Kommens und Gehens, der vorübergehenden Gemeinschaft und des ständigen Übergangs eignet sich das Hotel, um Abschiede, Brüche und das allmähliche Verschwinden von Sicherheiten sichtbar zu machen.
Die Inszenierung erzählt keine durchgehende Geschichte, sondern folgt Figuren und Ideen. Erinnerungen an frühere Zeiten treten neben gegenwärtige Erfahrungen von Unsicherheit und Veränderung. So entsteht eine Abfolge von Situationen und Bildern, in denen Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen. Die Figuren sind keine abgeschlossenen Charaktere, sondern zeigen unterschiedliche Haltungen zum Verlieren, zum Festhalten und zum Neuanfang. Verlust erscheint dabei als subjektive Erfahrung, weniger als Fakt, denn als Erleben.
Charakteristisch für Rebekka Davids Regiehandschrift ist der präzise Blick auf unsere heutige Gesellschaft. Der von ihr als Autorin gemeinsam mit dem Ensemble entwickelte Text bildet die Grundlage der Inszenierung. Die Schauspieler:innen bringen Improvisationen, Fragen und eigene Perspektiven ein. Viele Szenen entstehen aus alltäglichen Handlungen, wodurch Verlust als körperliche und räumliche Erfahrung spürbar wird.
Formal setzt die Inszenierung auf eine reduzierte, präzise Ästhetik. Bühne, Raum und Körper werden konzentriert eingesetzt, Bilder dienen der Verdichtung und Zuspitzung, nicht der Dekoration. Der Bezug zur Gegenwart ergibt sich ohne plakative Aktualisierungen. Gesellschaftliche und politische Fragen zeigen sich in Sprache, Rhythmus und im Zusammenspiel der Figuren.
»Grand Hotel Steirerhof: ein Abend für Verlierer*« verweigert einfache Antworten. Melancholie, Humor und Brüche stehen nebeneinander. Der Abend lädt dazu ein, Verlust nicht als individuelles Scheitern zu sehen, sondern als kollektive Erfahrung und den Blick zu öffnen für das, was fehlt, was bleibt und was daraus neu entstehen könnte.
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause
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