Schauspielhaus Graz präsentiert Spielzeit 2026/27
Nach bisher erfolgreichstem Intendanzjahr:
Schauspielhaus eröffnet neue Saison wieder mit Premieren-Triple
Intendantin Andrea Vilter präsentierte am 19. Mai 2026 gemeinsam mit Chefdramaturgin Anna-Sophia Güther den Spielplan 2026/27 des Schauspielhaus Graz. Im vierten Intendanzjahr bleiben die Befragung und Erweiterung des dramatischen Kanons sowie der Fokus auf österreichische Literatur zentral. Zugleich setzt das Schauspielhaus Graz neue Akzente und gibt jungen künstlerischen Positionen Raum. In den drei Spielstätten – Schauspielhaus, Schauraum und Konsole – werden 17 Premieren zu sehen sein, darunter drei Uraufführungen und sechs deutschsprachige bzw. österreichische Erstaufführungen.
Das Schauspielhaus Graz blickt auf die erfolgreichste Saison seit Beginn der Intendanz von Andrea Vilter zurück. Nachdem in der vergangenen Saison das erste Mal seit den Coronajahren wieder die im politischen Kulturauftrag festgesetzte Zielzahl von 50.000 Zuschauer:innen im großen Haus erreicht wurde, setzt sich die Steigerung der Besucher:innenzahlen in der Spielzeit 2025/26 konsequent fort. Mit 53.118 Gästen bis Ende April 2026 wurde das gute Vorjahresniveau (50.420 im Vergleichszeitraum) klar übertroffen. Die Auslastung konnte um fast fünf Prozent auf rund 75 Prozent gesteigert werden.
Überdurchschnittlich hoch ist weiterhin das Segment des jungen Publikums: Rund 20 Prozent der Besucher:innen im Schauspielhaus sind jünger als 27 Jahre, im Schauraum liegt der Anteil sogar bei 27 Prozent. Knapp 14 Prozent des Publikums sind unter 18 Jahre alt. Rund 70 Prozent der Gäste kommen aus Graz, weitere Besucher:innen reisen aus der gesamten Steiermark sowie aus Wien, Niederösterreich und zunehmend auch aus Kärnten an (seit Eröffnung des Koralmtunnels ist bereits ein klarer Anstieg zu sehen).
Die positive Publikumsresonanz zeigt sich auch in den Bewertungen nach den Vorstellungen (Besucher:innen können von 1 bis 5, wobei 5 die Bestnote ist, bewerten): Mit einem Durchschnittswert von 4,3 von 5 Punkten verzeichnet das Schauspielhaus Graz eine breite Zustimmung über verschiedenste Genres, Themen und Theaterformen hinweg. Besonders bemerkenswert ist, dass neben den klassischen Dramen auch die Werke der programmatischen Kanonerweiterung beim Publikum auf äußerst positive Resonanz stoßen.
Auch überregional konnte das Schauspielhaus Graz seine Präsenz weiter stärken. Sechs Nominierungen für den Nestroy-Theaterpreis 2025 (eine Anzahl, die mit erheblichem Abstand zu sämtlichen anderen österreichischen Bundeslandtheatern steht) unterstreichen die erfolgreiche öffentliche künstlerische Wahrnehmung des Hauses.
Neben den erfreulichen Entwicklungen steht das Schauspielhaus Graz auch vor einigen Herausforderungen – nicht zuletzt aufgrund der größeren Sparmaßnahmen im Kulturbereich: »Tatsächlich sind in diesen Zeiten Kunst und Kultur wichtiger denn je. Gerade, wenn die Ressourcen knapper werden und Verteilungskämpfe anstehen, ist es unausweichlich, dass wir uns mit den zentralen Werten unseres Menschseins gemeinsam auseinandersetzen, so wie es das Theater als öffentliche Kunstform immer tut. Dass wir dabei äußerst verantwortlich mit den finanziellen Mitteln umgehen, versteht sich von selbst. In der kommenden Saison haben wir Wege für größere (Einmal-)Sparmaßnahmen gefunden, die vorläufig weder Programm noch künstlerische Qualität angreifen.« (Andrea Vilter)
17 Premieren, drei Uraufführungen und sechs Erstaufführungen
Vor diesem Hintergrund startet das Schauspielhaus Graz in der neuen Spielzeitfarbe Pink am 26. und 27. September 2026 – nach dem Warm-up am 19. September 2026 – wieder mit einem Premieren-Triple in die Saison 2026/27– heuer mit Stücken von drei Autorinnen (davon zwei Österreicherinnen) und in allen drei Spielstätten.
Am letzten Freitag im September wird mit der Adaption des unbekannten Romans »Die Waffen nieder!« der umso bekannteren Österreicherin Bertha von Suttner – die für ihr pazifistisches Schaffen als erste Frau 1905 den Friedensnobelpreis erhielt – die Saison im Schauspielhaus eröffnet. Ihr Debüt in Graz gibt mit der Inszenierung einer eigens fürs Schauspielhaus erstellten Theaterfassung die international erfahrene Regisseurin Sandra Strunz. Der für seinen Inhalt programmatische Titel, dessen österreichische Erstaufführung sich im Kontext der Kanonerweiterung verorten lässt, rührt an die Grundfragen unserer Gegenwart.
Tags darauf reflektiert die Uraufführung von »ФielföلkaŠtát (»äh, vielfölkastaat, oder was?«)«, eine Koproduktion mit dem Schauspielhaus Wien und dem Katona József Theater Budapest, im Schauraum (Regie: Marie Bues) das Verhältnis zwischen Österreich und »Osteuropa« von der k. u. k. Zeit bis heute – mit einem multiperspektivischen und -sprachlichen Ensemble.
In der Konsole schließt sich der Kreis des Premieren-Triples mit Ingeborg Bachmanns »Undine geht«, in dem die österreichische Autorin mit patriarchal-struktureller Gewalt abrechnet (Regie: Lily Kuhlmann, die im April 2026 zum radikal jung-Festival in München eingeladen war).
Aktuelle politische und gesellschaftliche Fragestellungen ziehen sich als roter Faden durch den Spielplan. So schließt »Ein Übertritt« von Elfriede Jelinek, verfasst zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und vom zum Theatertreffen 2025 eingeladenen Regieduo DARUM multimedial in Szene gesetzt, thematisch an die Eröffnungspremiere »Die Waffen nieder!« an.
Eugène Ionescos Klassiker des absurden Theaters »Die Nashörner« (Regie: Ulrike Arnold) entwirft eine Parabel über die schleichende Ausbreitung totalitärer Ideologien. Selina Fillinger wirft in ihrer zeitgenössischen Erfolgskomödie »Die Schattenpräsidentinnen« (Regie: Branko Janack), die zum ersten Mal in Österreich gezeigt wird, einen entlarvend komischen Blick hinter die Kulissen politischer Macht.
Mit einem im Kanon der Weltliteratur verankerten Text setzt sich die international renommierte Regisseurin Ewelina Marciniak auseinander: »Wuthering Heights I Sturmhöhe« von Emily Brontë. Der Fokus ihrer Inszenierung liegt auf der zweiten, beinahe unbekannten Hälfte des Romans, die jenseits der berühmten leidenschaftlichen Liebesgeschichte ein Dokument klassistischer und rassistischer Erfahrung ist.
Im Kontext der Kanonerweiterung steht das Drama »Machinal« der US-amerikanischen Dramatikerin Sophie Treadwell, die in den 1920er Jahren den authentischen Fall einer jungen Frau aufgreift, die in gesellschaftliche Zwänge gebracht, nur einen Ausweg sieht: ihren Mann umzubringen. Dieses Meisterwerk des expressionistischen Theaters wurde trotz seines Erfolgs zur Entstehungszeit im deutschsprachigen Raum bisher nie aufgeführt. Während dessen junge Regisseurin Sophie Glaser jüngst erfolgreich am Volkstheater München inszeniert hat, konnte Cosmea Spelleken mit ihrem digitalen »Werther« bereits zu Coronazeiten Furore machen: Ihre Grazer Bühnen-Inszenierung »Werther & Lotte & Albert« ist explizit eine Einladung auch an junge Menschen. Mit Goethes epochemachendem Briefroman nimmt die Regisseurin über den Protagonisten hinaus die Dreiecksbeziehung von Liebe und Freundschaft in den Blick.
Einen inhaltlichen Bogen schließen »Anleitung ein anderer zu werden« von Édouard Louis (Theater-Adaption und Regie: Jakab Tarnóczi, der bereits zum dritten Mal am Schauspielhaus arbeitet und für seine erste Grazer Inszenierung mit dem Nestroy »Nachwuchs Regie« nominiert wurde) im Schauspielhaus und »Otherland« von Chris Bush (Regie: MoMo Matsunyane nach der interkontinentalen Eröffnungs-Inszenierung von »Les Blancs« in der Spielzeit 2025/26) im Schauraum: Beide Texte reflektieren Fragen von Geschlecht und sexueller Identität sowie deren Bedingungen und Konsequenzen.
Für den Liederabend »Voyager Golden Records« kehrt die Wienerin Ruth Brauer-Kvam nach ihrer erfolgreichen Nestroy-Inszenierung ans Schauspielhaus zurück.
Neue Formate und offenes Haus
Neben dem Spielplan baut das Schauspielhaus Graz seine offenen und partizipativen Formate weiter aus. Die Konsole bleibt Zentrum für künstlerische Forschung und digitale Experimente und wird gleichzeitig stärker zum Ort für analoge Projekte. Neue Talkformate laden zum Dialog ein, ein KI-Labor und eine Open Stage zum aktiven Mitmachen. Bei »Schauspiel[Haus]gemacht« kann man einmal im Monat Theaterabende erleben, die von Mitarbeiter:innen des Schauspielhaus Graz in Eigeninitiative auf die Bühne gebracht werden. Für »RADIO UNFERTIG«, verwandelt DJ Peep alias Ensemblemitglied Tim Breyvogel die Konsole in ein Radiostudio.
Auch die inklusive Stückentwicklung »Geht Gras fühlen!« von Anja Wohlfahrt in Kooperation mit der KUG und der Theaterakademie LebensGroß wird in der Konsole ihre Premiere feiern. Anne Aschenbrenner, die seit Jahresanfang ihr Format »Werk im Fokus« vom Burgtheater Wien ans Schauspielhaus Graz mitgebracht hat, wird ab der Saison 2026/27 als Digital-Dramaturgin für die Konsole arbeiten.
Fortgeführt wird im Frühjahr 2027 auch das wiederum von F. Wiesel kuratierte Festival für virtuelle Theaterformen »Digithalia«, welches das Schauspielhaus bereits zum vierten Mal zu einem innovativen Begegnungsort analoger und digitaler Erzähl- und Spielweisen macht.
Ein zentraler Raum für den persönlichen Austausch mit dem Publikum bleibt der von den Abteilungen Dramaturgie und Outreach mit vielfältigen Veranstaltungen bespielte Salon. Neben klassischer Vermittlungsarbeit sowie theaterpädagogischen und partizipativen Formaten werden die Bereiche Barrierefreiheit und Inklusion weiter gestärkt (Relaxed Performance, Live-Audiodeskription und taktile Einführung, Zusammenarbeit mit der inklusiven Theaterakademie LebensGroß, Mitarbeit im Netzwerk Kultur Inklusiv, Kooperation mit dem Theaterfestival Intakt, Inklusiver Spielclub sowie mehrsprachige Übertitel und Einführungen).
Ein verändertes Publikumsverhalten mit zunehmend spontanen Kaufentscheidungen und eine steigende Nachfrage an der Abendkassa erfordern eine flexiblere und dynamischere Planung. Das Schauspielhaus Graz reagiert darauf unter anderem mit neuen Abonnements, die flexiblere und teilweise spontane Vorstellungsbesuche ermöglichen.
Unser druckfrisches Spielzeitbuch (siehe auch auf der Startseite zum Durchklicken) enthält alle Details zu den Produktionen und anderen Themen. Wie in den vergangenen Jahren ist auch in dieser Spielzeit die Fotostrecke darin wieder gemeinsam mit unserem Publikum entstanden: So haben in der dritten Runde von »Scroll durch dein Leben« wieder Zuschauer:innen persönliche Bilder und Schnappschüsse eingesandt, aus denen assoziativ die Motive für die Premierentitel 2026/27 ausgewählt wurden.
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