07.11.2024

»Minna von Barnhelm oder die Kosten des Glücks« , Premiere am 08.11.2024

Minna liebt Tellheim und Tellheim liebt Minna. Es könnte so einfach sein! Doch die beiden stehen erst am Anfang ihrer Beziehung und naturgemäß stehen im Aushandeln einer solchen auch erst einmal die Kompromissfähigkeit des anderen und die eigene Autonomie auf der Probe.

Mit ihren klaren, aber durchaus verschiedenen Wertvorstellungen und Prinzipien erscheinen Minna und Tellheim einander liebenswert – doch als zu starre Maxime tragen diese auch Spreng- und Trennkraft in sich. Eigensinnig und wortgewandt ringen die beiden um ihre Selbstbestimmung und wollen dabei doch nichts sehnlicher als zueinanderkommen.

Tellheim ist aus dem Krieg zurück: verwundet, mittellos und wegen Korruptionsvorwürfen unehrenhaft entlassen. In seinem Stolz zutiefst verletzt, glaubt er, der Liebe seiner wohlhabenden Verlobten Minna nicht länger würdig zu sein. Minna ist durch Tellheims Zurückweisung getroffen, ersinnt dann kühn einen »Streich« (so nennt es Lessing) gegen ihn und spielt ihr Spiel, bis es für ein Happy End beinahe zu spät ist. Der Dramatiker lässt Minna bis zum Äußersten gehen – und zeigt damit wohlgemerkt nicht nur allein Tellheim in seinem berüchtigt gewordenen Starrsinn. Auch darin also nimmt er seine weibliche Protagonistin ernst und zeichnet das Bild eines Paares auf Augenhöhe: Erst wenn beide ihre Licht- und ihre Schattenseiten gezeigt haben, kann das Verwirrspiel zu seinem Ende kommen.

In Ulrike Arnolds Inszenierung ist die Anzahl des Original-Personals komprimiert: Es stehen sechs Schauspieler:innen auf der Bühne – drei potentielle Paare. Im von Franziska Bornkamm liebevoll und detailverliebt eingerichteten Hotel der Wirtin treffen diese Figuren wie in einer Versuchsanordnung aufeinander.

Die Grazer Konzeption sieht vor, dass beiden Hauptdarsteller:innen je eine weitere Rolle spielen: Tellheim begegnet der Minna-Spielerin als Witwe Marloff, die ihre Schulden bezahlen will. Minna begegnet dem Tellheim-Darsteller als Spieler Riccaut, der bei ihr Geld borgen will. In diesem höchst komischen Vexierspiel der Ebenen tun sich für die Figuren für einen kurzen Moment alternative Lebensentwürfe auf. Was, wenn ich in meinem Leben eine andere Entscheidung getroffen hätte? Wen sehe ich im Anderen, wen möchte ich gern sehen? Und wie viel Spiel steckt in uns bei jeder Begegnung?

In feinem Spiel und großer Konzentration auf die Schauspieler:innen (Anke Stedingk als Minna, Sebastian Schindegger als Tellheim) lotet das künstlerische Team um Ulrike Arnold höchst amüsant verschiedene Entwürfe von Liebe aus.

Fotos sind ab 8. November, 13 Uhr, online.

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Minna von Barnhelm oder die Kosten des Glücks
Lustspiel von Gotthold Ephraim Lessing

Minna von Barnhelm & Witwe Marloff: Anke Stedingk
Major von Tellheim & Riccaut de la Marlinière: Sebastian Schindegger
Franziska: Sarah Sophia Meyer
Paul Werner: Simon Kirsch
Wirtin: Annette Holzmann
Just: Thomas Kramer

Regie: Ulrike Arnold
Bühne: Franziska Bornkamm
Kostüme: Anna Lechner
Musik: Florian Rynkowski
Dramaturgie: Anna-Sophia Güther

Nächste Termine

Di, 26.05.2026
18:00–19:30
Foyer
Exklusive Einblicke hinter die Kulissen
Treffpunkt: Foyer
Freier Verkauf, € 6 (keine Ermäßigung)
Di, 26.05.2026
19:30–21:00
Schauspielhaus
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit
Schauspiel von Ödön von Horváth
Di, 26.05.2026
20:00–21:50
Schauraum
Gastspiel
Hammond Jazz Night
mit Renato Chicco, Andreas Reisenhofer, Zoran Schmitz
Freier Verkauf, € 21 / € 13 (erm.)
Uraufführung
Mi, 27.05.2026
18:30–20:45
Schauspielhaus
Uraufführung
Eine balkanmusikalische Komödie von & mit Sandy Lopičić
mit Audiodeskription. Taktile Einführung um 17:30 Uhr, Treffpunkt: Foyer
Vorgezogener Verkauf, Schulvorstellung
Uraufführung
Mi, 27.05.2026
20:00
Schauraum
Uraufführung
Die letzten Tage von Österreich, wie wir es kennen
Koproduktion mit dem Theater im Bahnhof
Uraufführung
Do, 28.05.2026
19:30–21:25
Schauspielhaus
Uraufführung
Eine poptheatralische Sinnsuche nach der Graphic Novel von Liv Strömquist
Einführung um 19:00 Uhr.
Donnerstag-Abo und Freier Verkauf, € 7 bis € 61
Fr, 29.05.2026
18:00
Foyer
Führung in deutscher Sprache, Teilnahme mit Eintrittskarte kostenlos, keine Voranmeldung notwendig. Treffpunkt: Foyer
Uraufführung
Fr, 29.05.2026
19:30–21:15
Schauspielhaus
Zum letzten Mal
Uraufführung
von Rebekka David & Ensemble
Fr, 29.05.2026
20:30–21:35
Schauraum
Gastspiel
im Rahmen des Dramatiker|innenfestival 2026
Ticketreservierungen unter www.dramatikerinnenfestival.at | Verkauf an der Abendkassa
Sa, 30.05.2026
11:00–14:00
Salon im 1. Rang
Mit THE CAKE ESCAPE- Kulturverein zur Förderung von Diversität und Gleichstellung
Asian History Month – Let’s Play
Eintritt frei!
Uraufführung
Sa, 30.05.2026
19:30–21:25
Schauspielhaus
Uraufführung
Eine poptheatralische Sinnsuche nach der Graphic Novel von Liv Strömquist
Einführung um 19:00 Uhr.
Samstag-Abo und Freier Verkauf, € 8,50 bis € 65
Sa, 30.05.2026
21:30–02:00
Konsole
Folge 13: Wünsch dir was
Mit Tim Breyvogel und Special Guests
im Anschluss an die Vorstellung im Schauspielhaus!
Eintritt frei!
Margarethe Tiesel, Franz Solar, Rudi Widerhofer und Sandy Lopičić laden ein zum
So, 31.05.2026
18:00
Schauraum
Gastspiel
Margarethe Tiesel, Franz Solar, Rudi Widerhofer und Sandy Lopičić laden ein zum
im Anschluss geselliges Beisammensein
Di, 02.06.2026
18:30
Salon im 1. Rang
und im Anschluss an die Vorstellung »Auf ein Salon-Achterl«
Mit Mag. Dr. Daniela Strigl, Institut für Germanistik, Universität Wien