Spielplan 2024/25

6 österreichische Erstaufführungen, 5 Uraufführungen

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Schauspielhaus

Ab 20.09.2024

von Ottessa Moshfegh
Österreichische Erstaufführung
Regie: Ewelina Marciniak

Eine Mittzwanzigerin zu Beginn des neuen Jahrtausends ist die namenlose Erzählerin. Sie ist privilegiert – an Geld, Bildung und Schönheit. Ihr stehen alle Türen zur Welt offen, sie aber fühlt sich dauerdeprimiert, gelangweilt und sinnentleert. So entscheidet sie sich, der Welt den Rücken zu kehren und für ein Jahr »Winterschlaf« zu halten.

Der Text frönt der totalen Betäubung als Mittel zur Loslösung von der Welt und zeichnet exemplarisch das Porträt einer jungen Frau, die gegen das Leistungsprinzip und die patriarchale Gesellschaftsordnung radikal in die Verweigerung geht.

Ab 22.09.2024

von Thomas Köck
Uraufführung des Auftragswerks
Koproduktion mit dem Schauspielhaus Wien in Kooperation mit dem steirischen herbst
Regie: Marie Bues

Seit über einem Jahr protokolliert der österreichische Dramatiker Thomas Köck einschlägige Ereignisse der österreichischen Politik- und Medienlandschaft. Sein Logbuch setzt lokale Vorkommnisse ins Verhältnis zu globalen Entwicklungen, verfolgt Gestalten der nationalen Öffentlichkeit auf ihren (Irr-)Wegen und skizziert Wechselwirkungen zwischen gesellschaftspolitischen Entscheidungen und wirtschaftlichen Verflechtungen. Begleitend zu dieser fortlaufenden politischen Bestandsaufnahme reflektiert der Autor die eigene Kindheit und Jugend am Land in einer von Klassismus und Chancenungleichheit geprägten Gesellschaft.

Ab 08.11.2024

Lustspiel von Gotthold Ephraim Lessing
Regie: Ulrike Arnold

Major Tellheim kehrt aus dem Krieg zurück: verwundet, mittellos und wegen Korruptionsvorwürfen unehrenhaft entlassen. In seinem Stolz zutiefst verletzt, glaubt er, der Liebe seiner wohlhabenden Verlobten Minna nicht länger würdig zu sein. Diese aber ist gemeinsam mit ihrer Verbündeten Franziska schon längst auf dem Weg zu ihm. Als die beiden Frauen zufällig in demselben Hotel wie Tellheim Station machen, scheint ein Happy End zunächst unerreichbar. Zu verschieden sind ihre Ansichten über die Voraussetzungen für eine Beziehung auf Augenhöhe. So entspinnt sich ein unterhaltsames Verwirrspiel, in dem Minna Tellheim immer einen Schritt voraus ist.

Ab 06.12.2024

nach dem Roman von Tonio Schachinger
Uraufführung
Regie: F. Wiesel und Timon Jansen

Das Marianum – ein typisches Elitegymnasium mit Burschen in grünen Polos, Mädchen in weißen Jeans und einer bürgerlichen Fassade. Dort hat es der eher introvertierte Till nicht leicht mit seinem Klassenvorstand Herrn Dolinar. Vehement verteidigt der sadistische Deutschlehrer den Literaturkanon als Herzstück der Bildung, indem er seine Schüler:innen nichts lesen lässt, was nicht als Reclamheft erhältlich ist. Um den repressiven Strukturen der Schule zu entkommen, flüchtet sich Till in das Computerspiel »Age of Empires 2«. Zwischen Schulalltag, Teenager-Dasein und der ersten großen Liebe schlägt sich Till die Nächte um die Ohren und arbeitet sich heimlich zu einem der weltweit besten Gamer hoch.

Ab 11.01.2025

Drama von Githa Sowerby
Österreichische Erstaufführung
Regie: Jakab Tarnóczi

John Rutherford ist nicht nur das Familienoberhaupt, sondern auch Chef der nahegelegenen Glaswerke. Als sich unter den Arbeiter:innen in der Fabrik ein Streik ankündigt, verteidigt er das Kapital als alles bestimmende und ordnende Kraft. Einst soll das Unternehmen dem ältesten Sohn übergeben werden, der jedoch mit einer Erfindung eigene Pläne hegt. Der andere Sohn will Priester werden, während die Tochter eine heimliche Liebschaft wählt – alles Entscheidungen, die zur Emanzipation vom dominanten Vater führen sollen.

Ab 07.02.2025

von Yael Ronen und Shlomi Shaban mit Riah May Knight und Itai Reicher
Österreichische Erstaufführung
Regie: Felix Hafner

Es hätte so schön sein können, doch just als der Singer-Songwriter Gustav Gundesson den bedeutenden Polar Music Prize erhalten soll, fällt seine Karriere in sich zusammen. Wegbegleiter:innen wenden sich gegen ihn. Kulturelle Aneignung und Rassismus, Missbrauch, Manipulation und Ausbeutung lauten die Vorwürfe. Dass das Selbstbild des von sich allzu überzeugten Künstlers freilich anders aussieht, tut da nichts zur Sache. Es steht fest: Die Preisverleihung wird abgesagt und Gustavs Karriere auf unbestimmte Zeit für beendet erklärt.

Ab 14.03.2025

Komödie von Maria Lazar
Regie: Katrin Plötner

Es ist der siebenhundertsechzigmillionsteachthundertneununddreißigtausendste Jahrestag der Erschaffung der Welt, doch im Himmel herrscht nicht gerade Feierlaune. Gott will von den Menschen nichts mehr wissen, seit auf der Erde Unfrieden herrscht und nur noch »von der Ehre, vom Ruhm und von der Nation« gebrüllt wird. Da erreicht Petrus und seine Engel eine Zeitungsannonce, in der für die Welt – am besten ab sofort – ein neuer lieber Gott gesucht wird. Weise soll er sein, gerecht, allwissend und allmächtig und mit souveränem Auftreten (»aber bitte kein Führertyp!«). Deshalb werden der als Gott verkleidete Petrus und zwei seiner Engel auf die Erde entsandt, wo sich bald ein buntes Verwechslungsspiel entspinnt.

Ab 11.04.2025

von Rebekka David & Ensemble mit Texten von Molière, Shakespeare und Tschechow
Uraufführung
Regie: Rebekka David

Der Geizige, König Lear und Onkel Wanja sind zwar in die Alterspension eingezogen, zur Ruhe setzen wollen sie sich aber noch lange nicht. Nein, sie sind noch nicht fertig. Im Zusammentreffen altbekannter Figuren aus dem klassischen Kanon von Molière, Shakespeare und Tschechow entwickelt Regisseurin und Autorin Rebekka David einen humorvollen Abend über die Angst vor dem Alter und die Frage, warum wir in unserer Gesellschaft so wenige positive Entwürfe für den letzten Lebensabschnitt haben.

Ab 03.05.2025

Zauberposse mit Musik von Johann Nestroy
Regie: Matthias Rippert

Der böse Geist Lumpazivagabundus verführt die Menschen zu Unvernunft und ist daher schuld an der Misere der Welt. Darüber herrscht im Feenreich großer Unmut. Die »Glücksfee« Fortuna und die »Fee der wahren Liebe« Amorosa wollen dem Spuk ein Ende setzen und zudem ein für alle Mal klären, wer die Mächtigere der beiden ist. Fortuna will Amorosa beweisen, dass Geld das Heilmittel für die Probleme der Menschen ist. Dafür sucht sie sich drei arbeits- und obdachlose Handwerker und verhilft ihnen mittels eines Lottogewinns zu großem Reichtum. Sie gäbe sich geschlagen, wenn zwei davon ungeachtet ihres Glücks »Lumpen« bleiben, so der Deal. Wie bei einem Sozialexperiment beobachten die Feen, was Geld mit den Ex-Mittellosen macht.

Schauraum

Ab 21.09.2024

Ein Theaterprojekt mit Texten von Franz Kafka
Österreichische Erstaufführung
Regie: Jan Philipp Gloger, Andrea Vilter

»Liebster Vater, du hast mich letzthin einmal gefragt, warum ich behaupte, ich hätte Furcht vor Dir«, so beginnt Franz Kafkas berühmter »Brief an den Vater«. Der Text ist das faszinierende autobiografische Dokument einer hochkomplizierten Beziehung und zugleich ein literarisches Meisterwerk, das in direkter Linie mit Kafkas Werken zu lesen ist. In seiner wohl bekanntesten Erzählung wird der junge Gregor Samsa durch die »Verwandlung« in einen Käfer für seine Familie zur Bedrohung und zum Feind. In »Amerika« wird der jugendliche Held wegen einer Verfehlung von den Eltern außer Landes geschafft, im »Prozess« wartet K. bis zuletzt auf Hilfe von seiner Verwandtschaft. In vielen Texten Kafkas spielen Familienstrukturen oder deren auffällige Abwesenheit eine entscheidende, oft fatale Rolle.

»Kafka | Heimkehr« folgt dieser Spur in einem Textgeflecht aus Werken, Briefen und Tagebucheinträgen. Die Inszenierung lotet dabei das theatralische Potenzial in Kafkas Erzählkosmos aus und lädt ein zu einer Reise in dessen Zeit, Leben und Werk. Ausgehend von einer ursprünglich für das Staatstheater Wiesbaden entwickelten Theaterfassung, wird »Kafka | Heimkehr« nun – anlässlich Kafkas 100. Todesjahr – in einer Grazer Neuinszenierung bis zum Ende des Jahres 2024 in den Schauraum einziehen.

Ab Jänner 2025

Komödie von Nora Abdel-Maksoud
Österreichische Erstaufführung
Regie: Basil Zecchinel

Weil sie im Gegensatz zu vielen ihrer Kolleg:innen kein Erbe erwartet, hat Journalistin Dena ihre Prioritäten geklärt: Money first, Selbstverwirklichung second. Ebenso skrupellos wie erfolgreich macht sie deshalb in Kolumnen und Talkshows Stimmung gegen »linke Identitäts-Politik«. Mit jedem dabei provozierten Shitstorm steigt ihr eigener Marktwert und seit sie auch alle moralischen Bedenken erfolgreich verdrängt hat, kann sie ihr Leben in vollen Zügen genießen. Doch dann stirbt Essenslieferant Davide in ihrer Wohnung – nur wenige Atemzüge, nachdem er das bestellte Sushi übergeben hat. Dummerweise wird mit der Leiche versehentlich auch Denas heimlicher Bargeldvorrat abtransportiert und so sehen sich Dena und ihre pathologisch ehrliche Assistentin Luigi gezwungen, dem Toten zu folgen. Bald begegnen sie zwei zwielichtigen Brüdern und erhalten ungewollt tiefe Einblicke in deren eiskaltes Business der Sozialbestattung. Denn wenn für die Beisetzung kein Geld da ist, übernimmt im Auftrag des Staates der Beerdigungs-Discounter: »So günstig wie möglich, so würdevoll wie nötig.«

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Ab Februar 2025

von Roland Schimmelpfennig / Aischylos / Euripides
Österreichische Erstaufführung
Regie: Anne Bader

Eine Mutter ringt mit ihren zwei Söhnen um die Lösung in einem brandgefährlichen Konflikt: Die beiden Brüder sollen sich die Herrschaft über Theben teilen. Da der eine sich nicht an die Vereinbarung des jährlichen Regierungswechsels hält, sieht sich der andere um sein Recht auf den Thron gebracht und droht mit einem Angriffskrieg auf die Stadt. Ihre Mutter Iokaste versucht mit aller Kraft die sich anbahnende Gewalteskalation abzuwenden. Sie warnt vor den verheerenden Folgen eines Krieges und fordert Dialog statt Rache. Doch ihre Argumente verhallen ebenso ungehört wie ihr Flehen. Starrsinn und die Unfähigkeit zum Kompromiss scheinen wie ein Fluch auf der Familie zu liegen, so dass der Konflikt zwischen den Brüdern eine ganze Stadt auszulöschen droht.

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Ab Mai 2025

Eine performative Anordnung zu kollektiver Erinnerung vom Planetenparty Prinzip
Uraufführung
Regie: Miriam Schmid

Wie funktioniert das kollektive Gedächtnis? Dass die Amokfahrt in der Grazer Innenstadt sich im Mai 2025 zum 10. Mal jährt, nimmt das hier ansässige Performancekollektiv Planetenparty Prinzip zum Anlass, den Prozess von Erinnerung in der Grazer Stadtgesellschaft unter die Lupe zu nehmen: Wovon wird der Blick in die Vergangenheit beeinflusst? Welche Narrative setzen sich durch? Inwiefern sind diese Erzählungen identitätsstiftend für die Stadt?
Neben dem Erinnern ist auch das Vergessen ein elementarer Teil des kollektiven sowie des individuellen Gedächtnisses. Das Planetenparty Prinzip begibt sich auf eine Forschungsreise nach prägenden Ereignissen, festgesetzten Erzählungen und entwischten Erinnerungen und entwickelt mit einem Ensemble aus Spieler:innen des Schauspielhaus Graz und aus dem eigenen Kollektiv einen Theaterabend, der einlädt, zurückzublicken und einem gemeinsamen Narrativ auf die Spur zu kommen.

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Monatlich

Einmalige Extras von & mit dem Ensemble

Im Schauraum können Sie im Anschluss an Vorstellungen immer wieder unser Ensemble in kleinen künstlerischen Interventionen, Bonus-Tracks oder spontanen Performances erleben. In ihren Eigenarbeiten geben unsere Schauspieler:innen bislang verborgen gebliebene Talente preis, bringen eigene Themen auf die Bühne oder begeistern mit einer noch unverwirklichten Idee. Alles ist möglich und erlaubt – vor allem unperfekt und unmittelbar. Lassen Sie sich überraschen und lernen Sie das Ensemble noch einmal von einer neuen Seite kennen.

KONSOLE

Ab Februar 2025

von Kristina Malyseva, F. Wiesel & künstlichen Intelligenzen in Kooperation mit der KUG
Uraufführung

Die Autorin und Dramaturgin Kristina Malyseva untersucht mit »Maschinengespräche« die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten digitaler Agent:innen – Codes, denen wir mehr und mehr unsere persönlichen Informationen anvertrauen. Algorithmen, die unsere Warenhäuser befüllen und die Systeme warten. Chatbots, die unaufhaltsam für Zusprache und Servicetelefonate verfügbar sind. Es entsteht ein Theaterstück über die Geschichten, die wir unseren Maschinen erzählen und über die Abgründe, in die wir gegangen sind, um sie zu erschaffen.

Alle Texte werden in Kooperation mit Maschinen generiert. Zusammen mit Chatbots, Netzwerken und Large Language Models programmiert Kristina Malyseva einen Text, der sich aus einer scheinbar unendlichen Masse an hinterlegten Texten der Menschheitsgeschichte speist – ein Theatertext, der sich selbst ständig neu auswertet, der reagiert und der die Frage verhandelt, inwiefern Schauspiel und Technologie ineinandergreifen können.

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19. – 22.03.2025

kuratiert von F. Wiesel

Im Frühjahr 2025 widmet sich »DIGITHALIA – Festival für virtuelle Theaterformen Graz« zum zweiten Mal dem Erkunden innovativer theatraler und digitaler Erzählweisen.

Mit DIGITHALIA wird das Schauspielhaus Graz für vier Tage zur Plattform für ebendiese neuen Spielformen. Das Festival präsentiert Theaterabende, die sich in die Unwirklichkeit der virtuellen Welt begeben und dabei Fragen nach Identität, Verortung und Heimat stellen. Das Festival untersucht, inwieweit die Technik das Theater braucht und umgekehrt das Theater die Technik. Es zeigt, wie auch virtuelle Räume analoge Begegnungen ermöglichen können.

Die zweite Ausgabe versammelt neue Texte, Performances und multimediale Arbeiten, die sich mit der Frage beschäftigen: Wie kommunizieren wir heute? Unser Sprechen hat sich verändert. Alles ist verlinkt, vernetzt und verschaltet. Selbst das einfachste Gespräch ist eingebettet in Hyperlinks, Emojis und Videoclips. Auch unser Denken verbindet sich mit Programmen, Bots und unzähligen Referenzsystemen. Die Codes werden Teil unserer Gespräche und so entstehen neue Formen von Texten. Neue Autor:innenschaften bilden sich, die neue Theaterformen einfordern.

DIGITHALIA versammelt regionale wie internationale Gastspiele sowie Produktionen des Schauspielhaus Graz. In Workshops, Theaterabenden und Experimenten wird das Theater rund um Schauspielhaus, Schauraum und Konsole zum Ort der Begegnung für alle, die herausfinden wollen, wo es hingehen kann, wenn das Digitale zum Theater wird.