25.06.2020
Der Spielplan 2020.2021 in HAUS EINS

Der Spielplan von HAUS EINS wartet ab September mit acht Premieren auf: wie gewohnt spannendes, berührendes und anregendes Theater, große Namen und Klassiker, zu Diskussion und Austausch anregende Unterhaltung mit zeitgenössischen Stoffen und neuen Theaterformen.

Die Premieren von HAUS EINS in der kommenden Saison:
  • „dritte republik (eine vermessung)“ von Thomas Köck; Regie: Anita Vulesica, Premiere 11.09.2020
  • „Reineke Fuchs“ Epos in zwölf Gesängen von Johann Wolfgang von Goethe; Regie: Mina Salehpour, Premiere 02.10.2020
  • „Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)“ von Elfriede Jelinek; Regie: Franz-Xaver Mayr, Premiere 20.11.2020
  • „Making a Great Gatsby“ nach F. Scott Fitzgerald; Regie: Claudia Bossard, Premiere 11.12.2020
  • „Was zählt“ Ensemble-Liederabend mit Texten von Grazer Bürger*innen; Regie: Miriam Tscholl, Premiere 15.01.2021
  • „Macbeth“ nach William Shakespeare von Heiner Müller; Regie: Stephan Rottkamp, Premiere 05.02.2021
  • „Der große Diktator“ Theaterstück nach dem Film von Charlie Chaplin; Regie: Clara Weyde, Premiere 09.04.2021
  • „Ein Sommernachtstraum“ Komödie von William Shakespeare; Regie: Markus Bothe, Premiere 14.05.2021
Das neues Spielzeit-Magazin #1 des Schauspielhauses finden Sie hier: https://issuu.com/opergraz/docs/shg-spz2021_magazin_issuu 
 
Am Donnerstag, den 25. Juni, stellten die Geschäftsführende Intendantin Iris Laufenberg und Leitende Dramaturgin Karla Mäder den Jahresspielplan von HAUS EINS vor sowie je eine fixierte Produktion für die Spielstätten von HAUS ZWEI und HAUS DREI.

Das Schauspielhaus Graz wird auch in der Saison 2020.2021 in HAUS EINS einen attraktiven Spielplan bieten, der die bisherige Linie des Hauses weiterführt: Der Fokus liegt auf zu Diskussion und Austausch anregender Unterhaltung mit zeitgenössischen Stoffen und neuen Theaterformen, ergänzt durch Klassiker und große Namen, die auf heute relevante Themen hin untersucht werden.

Am 11. September 2020 findet die erste Premiere in HAUS EINS statt, gefolgt von einem Eröffnungskonzert am 18. September mit Sandy Lopičić & Band, dem Ensemble des Schauspielhauses und Friends, wie gewohnt, auf der Bühne von HAUS EINS.

ZEITGENÖSSISCHE DRAMATIK und POLITISCHE STOFFE:

Die Spielzeit wird programmatisch mit dem zeitgenössischen Stück „dritte republik (eine vermessung). teil drei der kronlandsaga“ von Thomas Köck, inszeniert von der Schauspielerin und Regisseurin Anita Vulesica, eröffnet. (Österreichische Erstaufführung am 11.09.2020, HAUS EINS) Das Stück des gefragten, aus Oberösterreich stammenden Autors ist ein starkes Statement gegen Nationalismus und ein glühendes Plädoyer für die Idee eines geeinten Europas: In ihm versucht eine Landvermesserin nach einem Krieg die Grenzen des Landes neu zu verzeichnen, die Grenze jedoch entzieht sich ihr und bleibt letztlich unauffindbar.

Neben der Eröffnungsproduktion ist auch die zweite Produktion ein dezidiert politischer Stoff: „Reineke Fuchs“, ein Epos in zwölf Gesängen, das seit seinem Erscheinen 1794 zu Johann Wolfgang von Goethes beliebtesten Werken gehört. (Premiere am 02.10.2020, HAUS EINS) Die aus Antike und Mittelalter überlieferte Tierfabel vom Fuchs, der seinen Kopf jeweils durch geschickte Lügen aus der sprichwörtlichen Schlinge zieht, spiegelt Goethes skeptisches Verhältnis zur zeitgenössischen Wirklichkeit und besonders zum höfischen Leben wider, dem er Zeit seines Lebens selbst angehörte. Regie führt Mina Salehpour, die zum ersten Mal in Graz arbeiten wird.

Elfriede Jelineks vielleicht heiterstes Stück „Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)“ setzt sich kritisch mit dem Phänomen Mode und der Modeindustrie auseinander: Von Fast Fashion, Haute Couture und Online-Shops, über ausgebeutete Arbeiter und Arbeiterinnen in Sweatshops bis hin zu Bildern von Weiblichkeit und Körperkult zeigt die große Unbequeme der österreichischen Dramatik in ihrem Stück die Schnittstellen von Ökologie und Ökonomie der Modewelt auf. (Premiere am 20.11.2020, HAUS EINS, Regie: Franz-Xaver Mayr)

„Making a Great Gatsby“ (Premiere am 11.12.2020, HAUS EINS): Regisseurin Claudia Bossard, die in der Saison 2019.2020 „Die Physiker“ auf die große Bühne brachte, wird F. Scott Fitzgeralds 1925 erschienenen Roman für die Bühne adaptieren und sich mit den Goldenen Zwanzigern, Selbstinszenierung, Schein und Künstlichkeit beschäftigen.

Neben der Groteske über den amerikanischen Traum nimmt sich Regisseurin Clara Weyde einer berühmten politischen Satire an, die bislang nur selten im Theater zu sehen war: Sie bearbeitet Charlie Chaplins erfolgreichsten, 1940 erschienenen Film „Der große Diktator“, der gegen Nazi-Deutschland unmissverständlich Position bezog und ein Appell für Demokratie, Frieden und Menschlichkeit ist. (Premiere am 09.04.2021, HAUS EINS)

MOBILES THEATER
Auch die mobile Produktion für Rathäuser und Gemeindesäle in der Steiermark „Niemand wartet auf dich“ (Deutschsprachige Erstaufführung) setzt sich mit Demokratie auseinander und ist ein Beitrag zur politischen Bildung und Bewusstseinsbildung sowie ein Anlass, mit aktiven Politiker*innen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Regisseur Jochen Strauch hat mit Ensemblemitglied Susanne Konstanze Weber das Stück der niederländischen Autorin Lot Vekemans erarbeitet, das aus drei Monologen besteht, deren Protagonistinnen es wagen, aus der Komfortzone zu treten, Verantwortung zu übernehmen, verantwortlich zu handeln und die Konsequenzen zu (er)tragen. (Premiere am 22.09.2020, HAUS DREI, später auch mobil)

KLASSIKER:

Im Spielplan finden sich gleich zwei sehr unterschiedliche Dramen von William Shakespeare:

Die aus der laufenden Spielzeit im Probenprozess abgebrochene Produktion „Macbeth“ nach William Shakespeare von Heiner Müller (Premiere am 05.02.2021, HAUS EINS) wird in der Regie von Stephan Rottkamp auf die Bühne kommen. Der Regisseur hat im Schauspielhaus Graz bereits zwei bildgewaltige Klassiker inszeniert: Shakespeares „Sturm“ und Schillers „Maria Stuart“.

Kontrastierend zu Shakespeares blutigem Drama um den Schottenkönig steht am Ende der Saison seine beliebteste Komödie „Ein Sommernachtstraum“ auf dem Programm, für deren Inszenierung Markus Bothe verantwortlich zeichnen wird. (Premiere am 14.05.2020, HAUS EINS) Auch dieser Regisseur ist dem Grazer Publikum bereits bestens bekannt: Er inszenierte u. a. „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand auf der Schloßbergbühne Kasematten sowie „Lulu – Eine Mörderballade“ von den Tiger Lillies nach Frank Wedekind und Molières „Tartuffe“ in HAUS EINS.

NEUE THEATERFORMEN:

BÜRGER*INNENBÜHNE RELOADED
In der Saison 2020.2021 nimmt die Bürger*innenbühne eine neue Form an: Grazer Bürgerinnen und Bürger werden nach ihren Geschichten befragt – diese werden anschließend verdichtet, bearbeitet und in Musik verwandelt und von unserem Ensemble aufgeführt. In dem „Ensemble-Liederabend mit Texten von Grazer Bürger*innen“ dreht sich alles um Wissenschaft, Zahlen und Statistik(en): „Was zählt“ in der Regie von Miriam Tscholl. (Premiere am 15.01.2021, HAUS EINS)

DIGITALES THEATER
Nach der ersten Erfahrung mit der Übersetzung des Monologes „Judas“, der bis dahin beinahe 60 Aufführungen in Kirchen Österreichs erlebt hat und der im Juni in neuer Form – als 360°-Filmaufnahme auf einer VR-Brille – dem Publikum erleb- und verfügbar gemacht wurde, plant das Schauspielhaus Graz ein weiteres Experiment mit dieser neuen Theaterform: In der für den Herbst vorgesehenen Deutschsprachigen Erstaufführung von „Krasnojarsk“ des norwegischen Autors Johan Harstad trifft ein Forscher in einer entvölkerten Zukunft in der Einsamkeit Sibiriens auf eine Frau, die in einem Koffer Aufzeichnungen schönster Erlebnisse der untergegangenen Menschheit bewahrt. Auch diese Geschichte wird von Regisseur Tom Feichtinger als VR-Erlebnis umgesetzt werden.

INTERNATIONAL:

AUTORENTHEATERTAGE 2020 und 2021
Die Inszenierung „Schleifpunkt“ der Schweizer Autorin Maria Ursprung, die ursprünglich im Juni bei den Autorentheatertagen 2020 am Deutschen Theater Berlin ihre Uraufführung hätte feiern sollen, wird nun im Rahmen eines Langen Autor_innenwochenendes von 1. bis 4. Oktober 2020 stattfinden. Am 9. Oktober 2020 wird das Kammerspiel über eine Frau am Scheideweg, von der Regisseurin und Co-Leiterin des Theaters Rampe in Stuttgart Marie Bues inszeniert, schließlich auch in HAUS ZWEI zur Premiere kommen.

Nach dem Erfolg von „ruhig Blut“ bei den Autorentheatertagen 2019 und der diesjährigen Zusammenarbeit bei „Schleifpunkt“ wird das Schauspielhaus Graz außerdem auch bei der Festivalausgabe 2021 wieder Partnertheater sein. Im Rahmen der Langen Nacht der Autor_innen wird das Schauspielhaus Graz am 12. Juni 2021 wieder eines der drei Gewinner*innenstücke des Stücke-Wettbewerbs zur Uraufführung bringen dürfen.

Internationales DRAMA|TIK|ER|INNEN|FEST|IVAL Graz
Das von Schauspielhaus Graz und DRAMA FORUM von uniT veranstaltete internationale DRAMA|TIK|ER|INNEN|FEST|IVAL Graz, das unter dem Motto ÜBER MORGEN im Juni 2020 hätte stattfinden sollen, wird Anfang Juni 2021 nachgeholt. Das 5-jährige Jubiläum des Festivals wird durch die internationale Theaterkonferenz der European Theatre Convention (ETC), deren Vizepräsidentin Iris Laufenberg ist, ergänzt.

RING AWARD
Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, den internationalen Musiktheaterwettbewerb für Regie und Bühnengestaltung Ring Award um ein Jahr auf Juni 2021 zu verschieben. Das Finale wird wieder auf der großen Bühne des Schauspielhaus Graz stattfinden.

AUSBLICK HAUS ZWEI und DREI:
Aufgrund der Planungsunsicherheit werden Sie Anfang Oktober über die weiteren Pläne für HAUS ZWEI und HAUS DREI informiert.

NEU IM ENSEMBLE:
Alexej Lochmann, geboren in Karaganda im heutigen Kasachstan, studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. In der Spielzeit 15.16 war er Mitglied des Schauspielstudios am Schauspiel Frankfurt. Mit der Inszenierung von „Fräulein Julie“ wurde Lochmann beim Festival Radikal Jung mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet. In den vergangenen vier Spielzeiten gehörte er zum Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses.

Lisa Birke Balzer studierte von 2008 bis 2012 an der Folkwang Universität der Künste „Physical Theatre“, ein Studiengang, dessen Fokus auf der Entwicklung eigener Stücke liegt. Nach Abschluss ihres Studiums gastierte Lisa Birke Balzer u. a. am Schauspielhaus Bochum, Schauspiel Essen, Theater Duisburg und realisierte zahlreiche Projekte in der Freien Szene, u. a. mit der compagnie toit végétal, dem Theater Titanick, Toboso, und BorisundSteffi.